583
Aufnahme oberitalisch dekorativer Geschmacksrichtung. Die Pa-rade hat drei rundbogige Portale, deren mittleres und grösseresan seinen Gewänden, in barock spielender Weise, ein mehrge-schossiges kleines Nischenwerk trägt, mit Wimbergen und Fialen.Die Wand darüber ist breit und schwer, durch verschiedenfarbigeSteine teppichartig gemustert, von drei zierlichen Rosenfensterndurchbrochen. — Die Kathedrale von Atri (ebendaselbst) wirdals grossartiger und wohlerhaltener spitzbogiger Bau, mit Säulen-pfeilern, bezeichnet. 1
Im südlichen Apulien sind ein Paar einfach gothische, zumTlieil noch übergangsartige Pfeilerkirchen 2 anzumerken: dieKirche von S. Maria d’ Arbona und die von S. Pietro inGalatina, die letztere mit schwerem und niedrigem Schiff, abermit zierlichem Chore, dessen polygoniseher Schluss, nach Art meh-rerer nordischer Kirchen, über die Seitenfluchten hinaustritt. —Ausserdem sind zwei Portale namhaft zu machen, das eine ander Kirche von Ältamura, 3 mit dem normannischen Zikzakumfasst und mit inschriftlicher Angabe, die auf die ersten De-cennien des 14. Jahrhunderts deutet; — das andre, an oberita-lische Ausstattung erinnernd, an der Kirche von S. Maria delCasale 4 bei Brindisi .
e. Sicilien.
Die gothische Architektur von Sicilien 5 ist nicht ohne eigen-tümliche Bedeutung. Allerdings kommt bei ihr wiederum nur,wie es scheint, das Element dekorativer Ausstattung in Betracht;doch weiss sie dasselbe manches Mal in einer Grazie durchzubil-den, die durch einen phantastischen Zug einen eigenthümlichenReiz, durch gemessene Austeilung eine würdevolle Erscheinunggewinnt. Es sind die unmittelbaren Nachwirkungen der romani-schen Architektur Siciliens mit ihren byzantinisirenden und sara-zenischen Reminiscenzen, die sich hierin geltend machen; esverbinden sich damit Motive, welche denen der oberitalischenGothik entsprechen; es werden am Schluss der gotischen Periodeandre Elemente bemerklich, die, auffällig genug, zumeist annorddeutsche und englische Behandlungsweise erinnern.
Palermo hat eine namhafte Zahl kirchlicher Gebäude, die
1 J. Friedländer, im D. Kunstblatt, 1.851, S. 421. —• 2 Bei Schulz. — 3 Wil-lemin, mon. fran^ais, I, pl. 37. — 4 Fergusson, handbook of arch., II, p. 806.— 5 H. 6. Knight, über die Entwickelung der Architektur vom 10. bis 14.Jahrhundert unter den Normannen, hsgb. von Lepsius, S. 357; 366. Knight,baracenic and Norman remains in Sicily . Hittorf et Zanth, architecture mo-derne de la Sicile. (Ausserdem nach den Skizzenbüchern einiger befreundetenArchitekten.)