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3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
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Italien .

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Aufnahme oberitalisch dekorativer Geschmacksrichtung. Die Pa-rade hat drei rundbogige Portale, deren mittleres und grösseresan seinen Gewänden, in barock spielender Weise, ein mehrge-schossiges kleines Nischenwerk trägt, mit Wimbergen und Fialen.Die Wand darüber ist breit und schwer, durch verschiedenfarbigeSteine teppichartig gemustert, von drei zierlichen Rosenfensterndurchbrochen. Die Kathedrale von Atri (ebendaselbst) wirdals grossartiger und wohlerhaltener spitzbogiger Bau, mit Säulen-pfeilern, bezeichnet. 1

Im südlichen Apulien sind ein Paar einfach gothische, zumTlieil noch übergangsartige Pfeilerkirchen 2 anzumerken: dieKirche von S. Maria d Arbona und die von S. Pietro inGalatina, die letztere mit schwerem und niedrigem Schiff, abermit zierlichem Chore, dessen polygoniseher Schluss, nach Art meh-rerer nordischer Kirchen, über die Seitenfluchten hinaustritt.Ausserdem sind zwei Portale namhaft zu machen, das eine ander Kirche von Ältamura, 3 mit dem normannischen Zikzakumfasst und mit inschriftlicher Angabe, die auf die ersten De-cennien des 14. Jahrhunderts deutet; das andre, an oberita-lische Ausstattung erinnernd, an der Kirche von S. Maria delCasale 4 bei Brindisi .

e. Sicilien.

Die gothische Architektur von Sicilien 5 ist nicht ohne eigen-tümliche Bedeutung. Allerdings kommt bei ihr wiederum nur,wie es scheint, das Element dekorativer Ausstattung in Betracht;doch weiss sie dasselbe manches Mal in einer Grazie durchzubil-den, die durch einen phantastischen Zug einen eigenthümlichenReiz, durch gemessene Austeilung eine würdevolle Erscheinunggewinnt. Es sind die unmittelbaren Nachwirkungen der romani-schen Architektur Siciliens mit ihren byzantinisirenden und sara-zenischen Reminiscenzen, die sich hierin geltend machen; esverbinden sich damit Motive, welche denen der oberitalischenGothik entsprechen; es werden am Schluss der gotischen Periodeandre Elemente bemerklich, die, auffällig genug, zumeist annorddeutsche und englische Behandlungsweise erinnern.

Palermo hat eine namhafte Zahl kirchlicher Gebäude, die

1 J. Friedländer, im D. Kunstblatt, 1.851, S. 421. 2 Bei Schulz. 3 Wil-lemin, mon. fran^ais, I, pl. 37. 4 Fergusson, handbook of arch., II, p. 806. 5 H. 6. Knight, über die Entwickelung der Architektur vom 10. bis 14.Jahrhundert unter den Normannen, hsgb. von Lepsius, S. 357; 366. Knight,baracenic and Norman remains in Sicily . Hittorf et Zanth, architecture mo-derne de la Sicile. (Ausserdem nach den Skizzenbüchern einiger befreundetenArchitekten.)