Buch 
3 (1859) Geschichte der gothischen Baukunst / von Franz Kugler
Entstehung
Seite
582
JPEG-Download
 

582

XII. Die Architektur des gothischen Styles.

Italien nicht zu finden ist. 1 S. Doinenico maggiore 2 hatin den Schiffarkaden schlanke, engstehende Pfeiler und steileSpitzbögen, ebenfalls nach nordischer Art, doch eine flache Mit-telschiffdecke. S. Pietro a Majella zeigt eine verwandteBehandlung. Der Dom, 3 S. Gennaro, vom Ende des 13. Jahr-hunderts, hat Pfeiler mit übereinandergesetzten und durch ring-artige Gesimse verbundenen Halbsäulen. Seine Fa 9 ade ist einstattlicher Zierbau des 14. Jahrhunderts, in der Anordnung derjüngeren sienesisclien Bauten; doch minder harmonisch, z. B. miteinem Flachgiebel über dem Mittelschiff und Spitzgiebeln überden Seitenschiffen, durch jüngere Bauveränderung wesentlich be-einträchtigt. S. Chiara, 4 unvollendet und umgebaut, besitztnur geringe Stücke frühgothischer Art. S. Maria dell Inco-ronata, das kirchliche Untergeschoss eines hohen Gebäudes(ähnlich wie Or S. Micchele zu Florenz ) zeichnet sich bei ein-facher Anlage durch ein zierliches Portal aus. S. Giovannimaggiore (S. Gio. de Pappacoda) hat ein vorzüglich reichesPortal, 5 ebenfalls noch von frühgothischer Anlage, aber lebhaftgegliedert, mit Säulen und Bildtabernakeln auf den Seiten,* imBogen- und Giebelfelde mit figürlicher Ausstattung, an den Gie-belschenkeln von schwerem Blattwerk eingefasst und mit figür-lichen Darstellungen gekrönt, ein üppig phantastisches Schmuck-werk, welches die nordische Composition in südliche Gefühls-weise umsetzt.

Das Castel nuovo zu Neapel ist die feste Burg, welcheKarl von Anjou an seinem neuen Königssitze, angeblich nachdem Plane des Giovanni Pisano , erbauen liess. Später ist sieansehnlich erweitert und verstärkt worden. Die Schlosskirchezeigt spätgothisches Detail. Die ebendaselbst befindliche Kapelledes h. Franz von Paula ist wegen eines zierlich gothischen Ge-wölbes bemerkenswert!!.

An Werken dekorativer Architektur ist in Neapel derbischöfliche Thron im Dome, ein gediegenes Werk im Style derCosmaten, hervorzuheben. Sodann eine namhafte Zahl von Grab-monumenten, 6 besonders in S. Chiara und S, Giovanni aCarbonara, mit einem Tabernakelbau, dessen System sich,wohl unter Einwirkung des Giovanni Pisano , in reicher, zumeistetwas schwerer Weise entfaltet.

Ein gothischer Bau im Norden des Königreiches Neapel , dieKirche von Collemaggio zu Aquila 7 (Abruzzo ult.) zeigt die

1 Burekhardt, Cicerone, S. 125. Der Grundriss bei Wiebeking, II, t. 74,stimmt hiemit nicht. 2 Wiebeking, ebenda. 3 Ebenda. * DAgincourt ,t. 64 (17). 6 Chapuy, moy. äge pitt., No. 172. 6 Cicognara, stör, dellascult., t. 40. 7 Nach einem Blatte des zu erwartenden Schulzschen WerkesUber die Denkmäler von Unter-Italien.