Band 
Zweiter Band.
Seite
7
JPEG-Download
 

Allgemeine Bemerkungen.

7

geprägt an sich trug, war die St. Paulskirche vor den Mauern Roms (Pl. 64: innere Ansichk), welcheam 15. Juli 1823 ein Raub der Flammen wurde. Sie hatte achtzig der prächtigsten antiken Mar-morsäulen, welche übrigens in ihren Capitälcnun gleich und nicht von gleicher Proportion und Höhewaren; überdies war sie mit kostbaren Mosaiken im Innern und selbst im Neustem geschmückt, undihr Gebälk war von Cedemholz, der Sage nach vom Libanon. Diese Basilika 8. ?aolo kuori le mura(außerhalb der Mauern Roms, auf dem Wege nach Ostta) wurde an der Stelle einer kleinen, vonKonstantin erbauten Kirche im Jahre 386 neu gegründet, und im Anfang des fünften Jahrhundertsvollendet. 450 Fuß lang und sünfschiffig, war sie neben der Peterskirche eine der bedeutendsten Basi-liken Roms. Das Mittelschiff wurde durch zwei Reihen von je zwanzig mächtigen korinthischen Säulengebildet, von denen vierundzwanzig einem vorzüglichen Bauwerke, angeblich dem Mausoleum deSHadrian , entnommen waren; die übrigen Säulen dieses Mittelschiffs zeigten eine rohe Nachahmungderselben, welche Zeugniß gab von der gesunkenen Technik der damaligen Zeit; so haben die Säulen

der Seitenschiffe Capitäle mit schilfartigen Blättern. Das Querschiff war der Länge nach durch eine

Wand getrennt, welche auf Säulen oder Bögen ruhte, die vermuthlich aber erst nach dem Erdbebenim Jahre 801 hinzugefügt wurde. Es ist schon bemerkt, daß ein Brand die Kirche zerstörte; sie istaber seitdem in dem alten Style wieder aufgebaut worden.

Wenn die geschilderte Form der Basilika auch in ökonomischer Rücksicht recht wohl den Bedürf-

nissen des christlichen Cultus entspricht, so darf uns ihr Zusammenhang mit dem Urchristenthumedoch wohl nicht zu einer unmittelbaren Nachahmung und Reproduction bestimmen; denn in ästhe-tischer Beziehung dürste sie den Forderungen eines künstlerisch gebildeten Jahrhunderts nicht genügen.Die Anwendung der Holzbalken läßt im hohem Sinne einen monumentalen Styl nicht zu; dieVerschiedenheit des Materials hat Widersprüche der Formen zur Folge: die horizontale Decke harmo-nirt nicht mit dem Rundbogen über der Säule, dieser nicht mit der griechischen Säule, welche ihrerganzen feinen Gliederung nach nicht zur Trägerin so schwerer Lasten dienen kann. Das höhereMittelschiff ist der erste Schritt zum Etagenbau, und dieser verträgt sich nicht mit den griechischenFormen; eben darum aber liegt in der Basilika der Ausgangspunkt für einen neuen, christ-lichen Baustyl. Die Basilika ist noch nicht als eine wahre und durchgebildete Kunstform anzu-sehen; ein richtiger Geschmack hat die nachfolgenden Architekten bewogen, von hier aus zu andernFormen fortzugehen.

Wir haben schon oben bemerkt, daß die ausgedehntem Wandflächen frühzeitig Veranlassunggaben, die beginnende christliche Architektur mit Malerei und Mosaik in Verbindung zu setzen.

Den größern Basiliken wurden später mancherlei Nebenbauten beigefügt: kleinere Basiliken,verschiedene Kapellen, theils von viereckiger, theils von runder Form und oft mit einer eigenen kleinenTribuna, Klöster und andere Baulichkeiten verschiedener Art. Die wichtigsten Nebenbauten der größernBasiliken sind die Taufkirchen oder Baptisterien , die man den Baptisterien in den antiken Thermennachbildete: das Wasserbecken, welches diese in sich einschlössen und welches zum Baden diente, eig-nete sich für die Taufceremonie, welche in einem völligen Untertarrchen bestand, vorzüglich. Die Bap-tisterien hatten eine rechteckige, oft auch runde Form, auch führte man um den erhöhten Mittelraumgern einen niedrigern Umgang, durch Säulen von ihm getrennt. Die Kathedralen hatten in derRegel daS Vorrecht der Taufe, und man findet daher zumeist auch nur neben ihnen die Baptisterienerrichtet. Zu den Nebenbauten der Basiliken gehören auch die Triclinien, große Säle mit einer