Band 
Zweiter Band.
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Der Kunststyle zweiter Zeitraum.

beobachtet. Den Pfeilern, deren Kern die Kreisform im Durchschnitte hat, ist von allen Seiten kräftigeUnterstützung durch Streben und Widerlager! auf geschmackvolle Weise verliehen, indem auf länglich vier-eckigen Sockelplattcn die ebenfalls eckigen Basen von Halbsäulcn ruhen. Doch wir wollen nicht versuchen,die vielen Beschreibungen zu vermehren, welche nach Sulp. Bvisscrse (1822) gegeben worden sind, sondernnur noch dem Fortgange des Weiterbaues alles mögliche Glück wünschen. Ferner stammen aus der besse-ren und besten Zeit dicMünster zuStraßburg und zu Frciburg im Breisgau, von welchender erstere Bau die ganze Entwickelungsgeschichte der Kunst gleichsam in einem Bilde uns verewigt; amberühmtesten ist daran die Faxadc, die nach Vollendung des Langhauses (1275) im Jahre 1277 inUebereinstimmung mit dem französischen Kathedralstyle in Angriff genommen, aber durchaus in germa-nischem Geiste erst bis 1339 zu Stande gebracht, mit dem reizendsten Schmuckwcrkc ausgestattet wurde,worauf mau nach längerer Zeit den nördlichen der beiden Thürme, deren anderer noch immer an dieSchwäche unseres Geschlechtes mahnt, bis 1439 cmporführte, ohne daß ein wesentliches Verdcrbniß inden Formen dcS Stylcs eintrat. Unter den Werkmeistern dieses Prachtbaues, deren ziemlich viele bekanntsind, ist vor allen mit dem höchsten Ruhme gekrönt Erwin von Steinbach (f 1318), dessen TochterSabina als Bildhauer!» dafür thätig gewesen ist. *) ImFreiburger M ü nster, a» welchen, um1330 Meister Peter von Basel und Meister Heinrich der Leittrcr bauten, nachdem daö Langhaus 1122sammt dem Portale schon im dreizehnten Jahrhundert vollendet war, gilt der Thurm, 385 Fuß hoch, überder Pforte, zumal in seinen höchsten Theilen, für das erhabenste Meister - und Mustcrstück an Schönheitund Pracht stylistischer Durch- und Ausbildung; man konnte sich schon längst darüber freuen (spätestensseit 1258), als Hans Niesen berger von Grätz erst (1471 — 1513) den Chor hinzufügte, der frei-lich eben so wenig, wie das Innere der Schiffe, zu dem Prädicate einer Einheitlichkeit des eine Fläche von30101 Quadratsuß einnehmenden Ganzen berechtigt. Viele Jahrzehende schritten über diese Bauplänehinweg; und unwillkürlich veränderten sich inzwischen die Ideen der Menschen. Das Mittclalter steht inBetreff der Kunstunternehmungen dem klassischen Alterthume keineswegs nach, sondern vielmehr voran,wenigstens in mancher Hinsicht. Weder reiner gehalten, noch gleichmäßiger durchgeführt, als der Frci-burger Münster, sind der Dom zu Wetzlar (dreizehntes bis fünfzehntes Jahrhundert) mit dem nochunvollendeten Thurme und die Collegiat-Kirche zu Lauten (1213 — 1525), von welchen derletztere Bau den öfters sehr regen Eifer dreier Jahrhunderte empfand. Ferner reichen bis in die beste Zeitzurück, der schon 854 durch Ludwig den Deutschen gegründete und 1238 dem heiligen Bartholomäuögewidmete Dom zu Frankfurt am Main , außer dem dreifachen Schiffe, das noch von 1239 herübrig ist, in der Zeit von 1315—1512 ins Werk gesetzt, sodann die Lconhards-, die Stephans- unddie Quintini-Kirche zu Mainz, die Münster zu Kolmar (1263—1350) und zü Basel (1363), die Katharinenkirche zu Oppenheim , zumal das Schiff, und noch manche andere.Den rheinischen Bauwerken der klassischen Zeit stehen diejenigen der östlicheren Länder an Vollendung undDurchbildung des Siyles nach, voran aber unter denselben der Dom zu Regens bürg (1275 — 1486)und der Münster zu lllm (1377 bis nach 1500, s. Pl. 91). Den Grundstein zu letzterer Kirche legte derBürgermeister Kraft am 30. Juni 1377. Unter den genannte» Baumeistern steht die berühmte Berncr FamilieEnsinger im Vordergründe, aus deren Mitte die Namen Heinrich, Michael und Ulrich, sodann Ulrich's

") Der Thurm, berechnet auf nahe an 600 Fuß, hat nur eine Höhe von 482 Fuß rhcinl., der Flächeninhalt beträgt41702 Quadraifuß.