Band 
Zweiter Band.
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Der germanische oder gothische Kunststyl.

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Söhne Kaspar und Matthäus, später noch ei» Moritz namhaft gemacht sind; außer ihnen werden besondersMatthäus Böblingcr aus Eßlingcn und der Angsburgcr Baumeister Burkhard Engclbergcr sammt demParlirer Lienhart Aclilin aus Kcllhcim in den Urkunden erwähnt. Mit diesen und anderen Namen, denendas leider nicht vollendete Bauwerk zuzuschreiben ist, haben sich auch die Risse erhalten, die nöthig seinwürden, um den Plan ganz auszuführen. Der Raum, den das Gebäude einnimmt, mißt im Lichten gegen43500 Quadratfuß; der Thurm ist von Anfang berechnet auf 473 Fuß rhcinl., hat aber nur eine Höhe von307 Fuß erreicht. Dem Hauptschiffe liegen je zwei Nebcnschiffc zur Seite, aber erst seit dem später mehr ent-wickelten Plane und dem die Bollendung des Ganzen beabsichtigenden Umbaue. In dem ersteren ruhen unter-halb des Gewölbes massenhafte Wände auf den hohen, gewaltigen Spitzbogen, die sich auf mächtige sechseckigePfeiler stützen. Zu dieser drückenden, fast beängstigenden Schwere bilden die neueren Seitenschiffe mitihren jungfräulich schlanken Säulen unter freundlichen Stcrngewölbcn einen anmuthigen Gegensatz, näm-lich den deS Leichten und Milden. Im Aeußeren ist an die Stelle des prächtigen Portales, das man derganzen großartigen Anlage nach erwarten könnte, ein echt deutscher Bau getreten, nämlich eine Halle, ander Borderseitc mit drei hohen Spitzbogen, von denen der mittlere die beiden andern überragt. Der Thurmin seinen zwei ausgeführten Stockwerken, von denen an der Giebelseite das niedere drei, das obere zweihöhere Rundbogen mit reicheren Zierrathen hervortreten läßt, erinnert schon an die spätere Entwickelungdes Stylcs, zugleich aber auch an die Prachtlicbc behäbiger freier Reichsbürger, die sogleich im Anfangemit einer Art frommen Stolzes erklärten, daß sie allein, fremder Unterstützung entrathend, die Kosten desBaues auf sich nähmen, woraus sich wohl am besten erklärt, daß ihm selbst nach der Wiederaufnahme imJahre 1502 nicht nur die innere Einheit, sondern auch die äußere Vollendung abgeht, nun schon seit 350Jahren. An diese beiden Denkmäler der Baukunst vom ersten Range schließen sich an die Stiftskirchezu Wimpfcn im Thäte (1262—1278) mit noch romanischen Thürmen, die Marienkirche zuBambcrg (1327 —1387) mit Erinnerungen an den Kölner Dom , die heilige Kreuzkirche zuGmünd (1350—1410) mit drei bis in den Chor sich erstreckenden gleich hohen Schiffen, ferner zuNürnberg die Sebaldskirchc (1361 —1377), ebenfalls mit solche» Schiffen, sammt den Thürmen,von denen der südliche 1300, verändere 1345 angefangen ward, und die auch drcischiffige Frauen-kirche (1355—1361) mit vorzüglicher, sehr malerischer Fapadc im Westen, sodann die äußerlich beson-ders schöne Mariencapelle zu Würzburg (1377— 1479), die Maricncapcllc zu Reutlingen (1247—1343), die St. Lorenzkirche zu Nürnberg, der Dom zu München (1466—1488), die Haupt-kirche zu Nördlingen (1428—1505), die Klosterkirche St. Ulrich und St. Asra zu Augsburg (1467 bisnach 1500) u. a. Unter diesen ist die Kirche zu St. Lorenz in Nürnberg für eine Veranschaulichung undnähere Erörterung ausgewählt, zumal sie darthun kann, ob und in wie weit der zu ihrer Erbauungszcitschon eintretende Niedergang der Kunst hier um sich gegriffen habe; wir geben auf Pl. 92 eine innereAnsicht. Ihre gegenwärtige Widmung datirt erst vom Jahre 1275, da früher blos eine Kapelle an ihrerStatt vorhanden war; Graf Adolf von Nassau , der deutsche König, verewigte durch wesentliche Förderungdes Baues sein Andenken; aus seiner Zeit soll »och der auf der Seite der Pcgnitz stehende mit seinemWappen versehene Thurm sammt dem Portale übrig sein; der andere Thurm auf der Südseite wurde erst1400 errichtet; bald nachher (1403) faßte der Rath den Beschluß, die Kirche zu erweitern, der aber erstvon 1439 bis 1477 zur Ballführung kam, worauf Papst Sirius IV. die Pfarre zur Propste! erhob. Ragt 'nun hier im Langhause das Gewölbe über die Decken der Seitenschiffe empor, so ist dagegen der Chor, der

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