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Zweiter Band.
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I!. Dic moderne Kunst von der Zeit Lndwig's XIV. bis aufNapoleon I.

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schon berühmt als Schriftsteller, in ihm» Auftrage den Grund zu», Ban der „Tuilerien," dessen jedochKatharina bald überdrüssig wurde. Die Ucberrcstc von Dclormc'ö Werkthätigkcil, zumal die untere Säu-lenordnnng des mittleren Pavillons, so wie dic der beiden Pavillons zur Seite, jene yon dem ionischen,- diese von dem ionischen und korinthischen Systeme, bestätigen vollkommen die hohe Idee von seiner Mei-sterschaft, aber auch dic von ihm der antiken Architektur schon viel mehr genäherte Renaissance, ein Bestre-ben, in welchem allerdings Brillant zu Ecvuen, wo derselbe in der Nachahmung der klassischen Werke mitrichtigem, feinem Gefühle ein wahres Muster aufgestellt hatte, ihm vorausgegangen war. Dic Fort-setzung des großartigen Palastbaucs, an die in den folgenden Unruhe» und inneren Kriegen nicht wohl zudenken war, erfolgte sodant, erst nnter Heinrich I V. und Ludwig XIII . nach den ursprünglichen Zeichnungenund Rissen von du Eereeau, nachher die Vollendung unter Ludwig XIV. bis 10!>i, aber nun nach neuenEntwürfen von Lcvcau und d'Orbay. Inzwischen hatte freilich auch eine wesentliche Umwandclungin sofern Platz gegriffen, als die ehedem in Frankreich gebräuchliche plastische Ausschmückung des Aeußcrengänzlich aufgegeben und dafür die FrcSco-Malcrci nebst anderweitiger Verzierung dcö Inneren eingeführtwurde, woraus natürlich dic bis zur Leere nüchterne und einförmige Darstellung der Fronte» oderFayaden,dic auch bei einem Gebäude von der Ausdehnung der Tuilericn, einer Länge von mehr als 1000 Fuß,nicht durch dic ünponircndc Großartigkeit der Anlage ausgewogen wird, als 'eine weniger angenehmeund etwas unerfreuliche Neuerung sich ergeben hat. Die Befreundung mit dem rein italienischen Styleaber, wie er in Florenz seit Brunellcsc^i's Zeit als eine ganz den gegebenen Verhältnissen entsprechendeBauweise heimisch war, schlug tiefer und tiefer Wurzel in den Gemüthern, welche damals noch mit wahremTrotz Berücksichtigung erheischten; so konnte schon Maria von Medici , in deren Seele dic Erinnerungan den Palazzo Pitti und dessen Brüdcr noch in aller Frische lebte, den Muth fassen, -durch Jean dcBrossc den Palast Lurcmbourg nach einem Style aufführen zu lasten, der dem Florentinischen mög-lichst sich näherte*). — Es waren also außer ziemlich vielen Schlössern kleineren Umfanges die Palästevon Fontaincblcau und Chambord , der Louvre und die Tuilericn nebst dem PalaisLurcmbourg**), welche der größte aller BourbonS von seinen Vorfahren und Ministern überkam, umdurch deren Anblick sich anreize» zu lassen, dergleichen Bauuntcrnchmungcn an Glanz und Pracht, womöglich, noch weit zu übertreffen, — als er nach dem Tote Mazarin 'ö mit der festen Erklärung auftrat,

> daß fortan ohne sein Vorwiffen nicht einmal ein Paß ausgefertigt werden sollte. In dem brennendenWunsche, durch sein mächtiges Walten ein weithin reichendes Ansehen in Europa zu erlangen, faßte er nunnicht ohne eine sehr hohe Meinung von sich selbst, obgleich es ihm an gründlicher und tiefer Bildung fehlte,den Vorsatz, im Lichte einer prunkvollen Herrlichkeit als der vielgepriesene Lenker eines unvergleichlichenHofes und Staates der Welt sich darzustellen; zu diesen, Zwecke allein sollten dic Künste und Wissenschaftenihm ihre besten Dienste leisten, Gelehrte, Künstler und Dichter aus der Nähe und aus der Ferne ihm mitihren schönsten Leistungen zu Hilfe kommen. So wurde er und mit ihm sein Volk, nachdem diesem dicItaliener lange genug Lehrer und Vorbilder gewesen waren, Meister und Muster des feinen Tones undAnstandes, Beherrscher der Sitte und des Geschmackes, welche selbsterwählte Aufgabe Ludwig XI V. noch inder Regel mit zartfühlendem Tacte löste, während er denen, welche nicht in allen Dingen sich fügen moch-

*) S. dic Abbildung bei Quatrembre dc O-uincy. Maria machte darin bittcrc Erfahrungen.

»») Ruch Lcmcrcicr's verrufenes Palais rvyal stand bereits als ei» schöner Prachtbau.