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Der Kunststylc dritter Zeitraum.
Wirkten mit glühendem Eifer nach besten Kräften zu Hcidclberg, zuMünchen und in preußischenStädten während der Kriege für dies edle Interesse und arbeiteten dem großen Brüderpaare Grimmfür dessen tiefere Begründung solcher Bestrebungen vor; nach und nach wurde die Blüthe unseres Volkesmächtig ergriffen von der Begeisterung für unsere Ahnen, deren Werke, welche man noch vor Augen sah,nun erst in ihrer wahren Größe erkannt und bewundert wurden. So folgte dem Untergänge eines über-mächtigen politischen BaueS, den die fremde Gewalt ausgeführt hatte, die Wiedererweckung des altdeutschenWesens auch auf dem Gebiete der Kunst, besonders der Baukunst; sowohl die romanischen als auch dieecht gothischen Formen der deutschen Architektur wurden aus dem Reiche der Vergessenheit wieder aus Lichtgezogen und in die Gegenwart eingeführt zu inniger Freude Aller, welche für die Jugendzeit unseres Volkessich entflammten. Achnliche Vorgänge und Erscheinungen wurden beobachtet in Englan d. Und nebenallen diesen Vorbildern aus vergangenen Zeiten nahm die Natur selbst, die uralte Lehrerin der Schönesund Edles schaffenden Menschen, vor allen der Hellenen, wieder ihre unvcrjährbarcn Rechte mit ganzentschiedenem Erfolge in Anspruch, so daß, was, wie die Mißgebilde des Rococostyles in ihrer afterwitzigcnBedeutungslosigkeit und kindischen Anmaßlichkeit, gegenüber ihr und der gesunden Vernunft nicht zubestehen vermochte, nun nimmer als etwas Anderes denn als ein thörichter Unfug betrachtet werdenkonnte, da hingegen, was auch in jenem Style Ancrkenncnswerthcs lag, zum mindesten auf eine still-schweigende Duldung rechnen mochte. Alle dem nach beweisen die Kunstbestrcbungcn unserer Zeit, welchenein höchst idealer oder idealisirender Schwung eines reinen Enthusiasmus nicht abgesprochen werden soll,einen Eklekticismus und Synkreticismus von etwas spröder Art unter einer fortwährend wohl-thätigen Wechselwirkung mit den in manchen Ländern, vor allen in Deutschland , ihrem Gipfelpunkte zu-strebenden oder ihn erreichenden und behauptenden, wo nicht gar in vermessenem Adlerfluge ihn überstei-genden Künsten der Literatur und der Musik, unter welchen die ersteren bei uns mindestens zum zwei-ten Male durch Goethe, Schiller und nicht wenige verwandte oder nichtvcrwandtc Geister, die letzterenzum ersten Male durch Mozart , Haydu u.A. ihre klassische Ausbildung empfingen, welche rücksichtlichder Musik bereits durch van Beethoven bis an die äußerste Grenze des Möglichen entwickelt, rücksicht-lich der Dichtkunst durch den Grafen Platen erst bis zur letzten formellen Vollendung geführt wurde;alles Ucberschreiten der Schranken in irgend einer Richtung des Geisteslebens ist mit Gefahr für dasGanze verbunden. In den Ländern aber, wo weder von unten noch von oben die wahre Freiheit gehemmtwurde, herrschte bis auf die letzten Tage herab ein freudiges Streben, ein unermüdliches Ringen, aus AltemNeues zu gebären und in alten unveräußerlichen Formen immer Schöneres zu erzeugen, sei es nun, daßdas Gestaltungsvermögen der gebildeten Welt zur Hcrvorbringung ganz neuer Weisen sich schon erschöpfthabe oder solche noch einer späteren Zukunft vorbehalten bleibe; uns will cS bedünken, daß Alles, wasjetzt an Kunstformcn aus der Vorzeit gangbar ist, eine ähnliche Bedeutung habe, wie daS überlieferte For-melwesen der Poetik, der Mathematik oder sonst einer Wissenschaft, ohne welches sicherlich die Leistung undForschung nimmer die großen Ziele der Gegenwart erreicht haben würde, während es doch an sich vomABC und Einmaleins an bis zu den Gesetzen der Metrik und zu den Logarithmentafeln hinauf schonKnaben und Jünglingen selten einen erhebenden oder erquickende» Reiz mit sich bringt. Uebrigens habennun freilich in äußerlicher Beziehung die Verhältnisse sich so umgestaltet, baß, wenn auch treue Jüngerund Verehrer der Kunst am liebsten die südlichen Länder Europa's besuchen, doch diese im Kreise der leben-digen , schöpferischen Begeisterung nicht mehr im Vordergründe oder gar noch auf der ersten Linie stehen;