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4 (1861) Die terniteschen Wandgemälde von Herculaneum und Pompeji / erklärt von F. G. Welcker
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Luna und Endymion.

der als ein hellerer Grund um sie her in der ältesten Ab-bildung, später als ein Reif oder Nimbus angegeben ist.Der Knabe der sie führt, ist Hesperus nach dem Stern aufseinem Kopf, der hier, wie sonst nirgends, durch ein Kreuzvermuthlich nur der Kürze wegen, bezeichnet ist. Lunaschleicht gespannt und leise auf den Zehen und lässt sichvon Hesperus, der zugleich Amor ist, ziehn nach Endymionhin; sie scheint wie von einem Zagen befangen das nichtbloss mit dem innern Verlangen das sie antreibt, sondernauch mit der göttlichen Majestät die sie nicht ablegen kann,in einem scheinbaren, aber als wahre Natur wirksamenWiderspruch steht. Oder der Maler müsste den Zug imSinn gehabt haben dass Luna den Endymion nicht aufwe-cken will, sondern im Schlafe küsst 4 ). Gelinder Abend-wind spielt in ihrem Gewand und Haar. Sie hat goldneArmbänder, das Haar ist in der alten Abbildung mit einerfeinen Schleife gebunden, auf der unsrigen wie über einemStirnband locker aufliegend: kein Attribut. Piess zu Ehrenoder zur volleren Wirkung der Gestalt. Aus demselbenGrunde scheinen der Baum unter dem und die Felsen inwelchen wie in einer weit offnen kleinen Grotte Endymion angelehnt sitzt, in der Abbildung unmerklicher angegebenzu seyn als im Original geschehn ist, nach dem in denGemälden in Pompeji überhaupt wahrzunehraenden Ge-schmack an Bäumen, Felsen, Gebäuden zur Umgebung derFiguren.

Den schlummernden Endymion ohne Luna, mit seinemHund, sehn wir auf einem Gemälde aus Pompeji 5 ), so wieein sehr schönes Gegenstück des unsrigen 6 ). Luna auf demKopf den Halbmond zwischen den zwei Sternen Phosphorus

4) Cic. Tuscul. I, 38. Orid. Her. XV, 90. I.ucian 1. I. Tbeocr.111, 49 o Toy uTiionoy vnvov iaviov.

- 5) Pitt. dErcol. IV, 21.

6) Zahn II, 41. Mus. Borbon. XIV, 19.