Buch 
4 (1861) Die terniteschen Wandgemälde von Herculaneum und Pompeji / erklärt von F. G. Welcker
Entstehung
Seite
183
JPEG-Download
 

Paris und Helena.

183

Eben so einfach und rein Griechisch ist in einem schönenRelief aus Kumä dargestellt wie Paris voran, ihm nach-schreitend Helena, von ihrer Aethra begleitet,. sich zurAbreise wenden, nur noch ernster, im Anzug wenigerzierlich, im Styl älter * 5 ).

Das Haar der Helena ist blond, ihr Kleid goldfarbmit veilchenfarbnem Peplos, der ins Violette spielendeLeibrock des Paris mit blauer Einfassung, der Mantel blau,die Mütze, die Anaxyriden und die Schuhe von Goldfarbe.Der Köcher ist zwar vom Gewände- bedeckt, doch sehrbestimmt sichtbar.

13] Die ersten Herausgeber sahen in diesem Bild Ulysses undPenelope oder auch Paris der flehentlich vor der einst von ihm ver-slossenen Oenone erscheine, nachdem er im Kriege verwundet wor-den war, nach Quintus Sm. X u. A. Zoega verrauthete Paris undHelena; so auch Quaranta Pariswelcher suche die Helena zu trö-sten. Etwa in Troja als sie ihm gefolgt zu seyn bereute? Miner-vini im Bullett. Napol. IV 1846 p. 149 widerspricht ihm und glaubtfest, die Scene sey aus dem dritten Gesang der Ilias V. 413 ff. woAphrodite die Helena in ihr Haus zurückführt und sie auf einenStuhl setzt gegenüber dem Paris (der also auch sitzt) und Helenaihn schilt oaat nahv xXivaßa, verächtlich die Augen von ihm abwen-dend. Doch diess kann nimmermehr dem Gemälde zu gefallenheissen: tien fissi al suolo gli occhi, so wenig als die erhobeneLinke der Helena zeigt dass sie dem Paris Vorwürfe mache. DieScene der Ilias und die Darstellung des Bildes sind, wenn man jedesvon beiden rein und wie nach dem Leben auffasst, so verschiedenwie möglich. Umgekehrt als Minervini lässt 0. Jahn Archäol.Beitr. S. 351, indem auch er an Oenone denkt, sie den Schleierfassen um ihn über das Gesicht zu ziehen und auf eine zarte Weiseauszudrücken dass sie unerbittlich sey. Auch daran ist gedachtworden dass Helena den Peplos so halte um die Worte des Paris deutlicher zu vernehmen. Wenn es noch wäre aus Verlegenheitund Schaam, die dem Anfang auch dieser Liebschaft gemäss sind.