626
dem letzteren sich eine Sprechbühne befindet, die indess schon ausakustischen Gründen nicht als Kanzel zur Abhaltung der Predigt, sondernnur zum Verlesen der Episteln und Evangelien zu benutzen ist.
Diese Sprechbühne darf jedoch nicht, wie das z. ß. in Haina heider früheren Restauration*) geschehen ist, auf der Altarplatte angelegtsein, so dass der Geistliche die letztere mit Füssen tritt, sondern siemuss durch eine an der Ostseite des Lettners befindliche Estrade ge-bildet werden, also hinter dem Altar liegen und sich durch eine dieMitte des Lettners einnehmende Bogenweite nach dem Mittelschifföffnen.
Als Beispiele hierfür führen wir die jetzige der ursprünglichen nach-gebildete Anordnung in der Elisabelhenkirche in Marburg an, sowie die ur-sprüngliche Anordnung zu Haina , welche wir in Fig. 893 im Durch-schnitt darstellen.
Weitaus vollkommener in jeder Hinsicht ist die Anordnung derSprechbühne auf einem den oben erwähnten Altar überdeckenden unddemselben als Ciborium dienenden von der Mauer des Lettners nachzwei freistehenden Säulen gespannten Gewölbe. Es findet sich dieselbez. B. in der Kirche zu Friedberg (s. den Durchschnitt Fig. 894) undzu Gelnhausen (s. Fig. 895 und 896).
Nach der ersteren eine geringe Höhe der Sprechbühne gewährendenAnordnung kann der nur eine mässige Ausdehnung erfordernde Treppen-aufgang in der Mitte hinter dem Lettner liegen, während nach der zweitenund ferner je nach der Disposition der Chorgestühle die Lage der Treppean einem der Pfeiler, zwischen die der Lettner eingebaut ist, nothwendigwerden kann.
Durch dieselbe wird ferner die Anordnung eines Verbinduugsgangesauf der oberen Fläche der Mauer, mithin eine Erweiterung dieser letzterendurch eine Auskragung gefordert, welche dann auch zur anderen Seiteder Bühne fortgesetzt wird, so dass sich zu beiden Seiten derselben offenevon Brüstungen begrenzte Gallerien bilden, wie in Friedberg .
Das Bestreben die Weite dieser Gallerien zu vergrössern führt danndarauf, jenen Mauern bogenverbundene Säulenstellungen vorzusetzen, nachArt der unter den Brüstungen der Seilenschilfsfenster befindlichen Arka-turen, wie an dem westlichen Lettner zu Naumburg , und ferner dieSäulen oder Pfeilerstellung von der Mauer, um eine gewisse Weite abzu-rücken und letztere mit Kreuzgewölben zu überspannen (s. Fig. 897).
*) \ermuthlich verdankt diese eigentümliche Anordnung dem Wunsch, dieseBuhne als Kanzel zu benutzen, ihre Entstehung.