28 Buch III. Italien. XVI. Jahrhundert. Venedig . §. 200.
18 . zu rechnen sein, welches sich in der Akademie von Vene-dig befindet, wohin es aus der Schule des heil. Marcusgebracht worden ist. Hs stellt einen Seesturm dar, welcherim Jahre 1340 durch Dämonen erregt war und Venedig zuzerstören drohte, dessen Wuth aber durch drei Heilige be-sänftiget ward. Man sieht auf dem Bilde eine wild bewegteSee und ein wildsegelndes Schiff, welches mit satyrähnlichenTeufelgestalten angefüllt ist. Auf einer kleinen Barke schiffenihnen die drei Heiligen, Marcus, Nicolaus und Georg, dräu-end entgegen. Entsetzt stürzen sich die Teufel beim An-blick der Heiligen ins Meer; einige sitzen im Tauwerk desSchiffes, andre oben im Mastkorbe, wo Feuer ist und vonwo sich der Qualm über Himmel und See breitet. Ganzim Vorgrund ist eine Barke mit vier glühend beleuchtetennackten satyrähnlichen Gestalten, prächtige Körper, beson-ders die beiden sitzenden Ruderer, keck, frei und höchstmeisterhaft gemalt. Fabelhafte Seethiere tauchen auf; aufdem einen reitet wiederum ein gehörnter Satyr. Am Ufer,in der Feme , ist eine Stadt; links sieht man zuschauendesVolk.
Wie die Auffassung des ebengenannten Gemäldes sehreigenthümlich erscheint, so findet man überhaupt mannig-fach in Giorgione’s Bildern eine besondere, poetische An-schauungsweise, welche sich eines Theils in allegorischenBeziehungen und Andeutungen (die jedoch nicht immer leichtzu enträthseln sein dürften), anderen Theiles in der Com-position mehr novellistischer Scenen äussert und die einebedeutende Verwandtschaft mit dem, heutigen Tages soge-nannten „ romantischen Genre “ hat. Jene allegorischenBilder tragen mehr das Gepräge seiner früheren Zeit und
ifl. des Bellini’schen Styles. Eins der frühem Werke dieserArt (wie es scheint), der sog. „Astrolog “, befindet sich inder Galerie Manfrini zu Venedig . Der Alte, in phantasti-schem Gewände, sitzt an einem Marmortische vor einemverfallenen Gebäude, in dessen einer Nische eine verstüm-melte Venus steht; Cirkel und Messingscheibe in der Hand