Band 
Zweiter Band.
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§. 200 .

Giorgione .

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schaut er hinaus; links warten ein geharnischter Jünglingund ein am Boden sitzendes Weib, welches mit einem vorihr liegenden nackten Kinde spielt; fern in der Landschaftausruhende Krieger unter einem Baume*). Ein eigen- 20.thümlich anziehendes Gemälde mehr novellistischen Inhalts,aber von minder kräftiger Durchführung, ist im Museum vonParis : eine Landschaft, in welcher zwei junge Männer mitzwei nackten Weibern, musikalische Instrumente in denHänden, sitzen (das eine der Weiber schöpft Wasser auseinem Brunnen), wiederum ein Bild voll glühenden Le-bens und edler Sinnlichkeit**). Auch ein mythologisches 21.Bild, die von einem Satyr verfolgte Nymphe, eine Halbfigurvon grosser, unbefangener Schönheit, wird im Pallast Pittidem Giorgione zugeschrieben.

Aber auch historische Gegenstände der heil. Geschichtewerden unter Giorgiones Hand zwar nicht zu Genre-bildern, denn dafür ist seine Auffassung zu gross wohlaber zu romantischen Novellen von unsäglichem Reiz. Hie-her gehört eines seiner Meisterwerke, welches sich in der 22.Galerie der Brera zu Mailand befindet. Es stellt die Fin-dung Mosis dar, alle Figuren aber in dem reichen, venetia-nischen Costüme, welches gerade zu Giorgiones Zeit galt.

In der Mitte, unter einem Baume sitzt die Prinzessin, vollVerwunderung auf das Kind blickend, welches eine Dienerinihr überreicht. Der Seneschall der Prinzessin, Ritter undDamen stehen daneben. Auf der einen Seite sitzt einLiebespaar im Grase und weist auf den Vorgang hin, aufder andern Musikanten und Sängerinnen, Pagen mit Hun-den und ein Zwerg mit einem Affen. Es ist ein Bild, inwelchem sich alle höchste Erdenpracht und Lust vereinigt

*) Herr v. Quandt, Uebersetzung des Lanzi, II., S. 66, Anmerk,erkennt auch in diesem Bilde die Scene einer Novelle.

**) Von Waagen, Paris, S. 461, dem ältern Palma beigelegt.

Im Kunstblatt 1846, No. 2 werden dem Giorgione auch neun schöneweibliche Köpfe, die Musen darstellend, im Pallast Barbarigo zu Ve-nedig zugeschrieben.