Band 
Zweiter Band.
Seite
40
JPEG-Download
 

40

Buch III. Italien. XVI. Jahrhundert. Tizian . §. 203.

Pathos der Bewegung mit dem lebendigsten Affekt und dertiefsten innerlichsten Empfindung verbunden. Wenn irgendein venetianisches Bild auf die spätere Kunst einen Einflussgeübt hat, so ist es dieses; die edelsten Inspirationen desvan Dyck hängen von diesem wunderbaren Werke ab.>- Eine Wiederholung desselben Bildes, von beinahe gleicherSchönheit in der Ausführung, befindet sich im Museum vonParis .

Sehr heiter und weltlich liebenswürdig ist das grosset 3 - Bild der Darstellung Mariä im Tempel, jetzt in der Aka-demie zu Venedig . Eine Menge Volkes, darunter auchSenatoren und Procuratoren des heil. Marcus, sehen ver-wundert, begeistert, gespannt zu, wie das liebliche Kind,sein blaues Röckchen zierlich mit der Rechten zusammen-fassend, die Tempeltreppe hinaufsteigt, wo von Geistlichenumgeben, der erstaunte Hohepriester es mit seinem Segenempfängt. Von Fenstern und Baiconen sehen Zuschauerherab; neben der Treppe aber sitzt ein altes Hökerweibbei ihrem Eierkorb, welche ganz neugierig nach dem Gewühlhinschaut. Der ganze Vorgang ist mit grösster Naivetätund in einer unvergleichlichen farbenglühenden Ausführungu. dargestellt. Von einer öfter vorkommenden Darstellungdes Gastmahls zu Emmaus , welche sich nicht sowohl durchGrösse als durch milde Ruhe des Ausdruckes auszeichnet,befindet sich ein Exemplar im Louvre, eine gute alte Schul-wiederholung in den Studj zu Neapel .

Ebenso sind von Tizian sehr treffliche Altarbilder,Madonnen auf dem Throne, mit Heiligen umgeben und

15 . Fromme anbetend zu ihren Füssen , vorhanden. Ein grossesHauptbild der Art ist in der Kirche S. Maria de frari zuVenedig ; Madonna mit mehrern Heiligen und als Donatorendie Familie Pesaro , ein Wunderwerk schöner Lebenswalir-

16. heit. Einige andre vom höchsten Werthe sind in der Galerievon Dresden .

Andre nicht eben häufige Bilder dieses Inhalts sind meistfreier geordnet, als sog. sante conversazioni; auf solchen