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Pathos der Bewegung mit dem lebendigsten Affekt und dertiefsten innerlichsten Empfindung verbunden. —■ Wenn irgendein venetianisches Bild auf die spätere Kunst einen Einflussgeübt hat, so ist es dieses; die edelsten Inspirationen desvan Dyck hängen von diesem wunderbaren Werke ab. —>-• Eine Wiederholung desselben Bildes, von beinahe gleicherSchönheit in der Ausführung, befindet sich im Museum vonParis .
Sehr heiter und weltlich liebenswürdig ist das grosset 3 - Bild der Darstellung Mariä im Tempel, jetzt in der Aka-demie zu Venedig . Eine Menge Volkes, darunter auchSenatoren und Procuratoren des heil. Marcus, sehen ver-wundert, begeistert, gespannt zu, wie das liebliche Kind,sein blaues Röckchen zierlich mit der Rechten zusammen-fassend, die Tempeltreppe hinaufsteigt, wo von Geistlichenumgeben, der erstaunte Hohepriester es mit seinem Segenempfängt. Von Fenstern und Baiconen sehen Zuschauerherab; neben der Treppe aber sitzt ein altes Hökerweibbei ihrem Eierkorb, welche ganz neugierig nach dem Gewühlhinschaut. Der ganze Vorgang ist mit grösster Naivetätund in einer unvergleichlichen farbenglühenden Ausführungu. dargestellt. — Von einer öfter vorkommenden Darstellungdes Gastmahls zu Emmaus , welche sich nicht sowohl durchGrösse als durch milde Ruhe des Ausdruckes auszeichnet,befindet sich ein Exemplar im Louvre, eine gute alte Schul-wiederholung in den Studj zu Neapel .
Ebenso sind von Tizian sehr treffliche Altarbilder,Madonnen auf dem Throne, mit Heiligen umgeben und
15 . Fromme anbetend zu ihren Füssen , vorhanden. Ein grossesHauptbild der Art ist in der Kirche S. Maria de’ frari zuVenedig ; Madonna mit mehrern Heiligen und als Donatorendie Familie Pesaro , ein Wunderwerk schöner Lebenswalir-
16. heit. Einige andre vom höchsten Werthe sind in der Galerievon Dresden .
Andre nicht eben häufige Bilder dieses Inhalts sind meistfreier geordnet, als sog. sante conversazioni; auf solchen