»I. gewirkt hat. — Von einer oft wiederkehrenden Darstellungder heil. Magdalena befindet sich das beste Exemplar imPallast Barbarigo, andere im Pallast Pitti, im Escurial, inden Studj zu Neapel , im Pallast Doria zu Rom etc. Einentiefen sittlichen Schmerz muss man in diesen Bildern nichtsuchen; es ist ein schönes sinnliches Weib, deren Busse22 wohl kaum von Dauer sein wird. — Ein herrliches Altar-blatt, Tobias mit dem Engel darstellend, befindet sich inS. Caterina zu Venedig ; man glaubt darin die Beihülfe vonTizians Schüler Santo Zago zu erkennen.
§. 204. Tizian ist in denjenigen Darstellungen am vor-züglichsten, in welchen eine gewisse äussere Ruhe der Ge-stalten ihm Gelegenheit zur Entfaltung seiner eigenthümlichenSchönheit giebt. Selbst in der Himmelfahrt der Maria undin der Grablegung war dies der Fall. Anders ist es in den-jenigen seltenen Darstellungen, in denen eine lebendig be-wegte Handlung enthalten ist. Dergleichen ist seiner Natur>• fremd und man merkt hie und da den Zwang. So z. B.in der Dornenkrönung des Pariser Museums, wo der Mei-ster in der Darstellung des Gewaltsamen und Rohen dasrichtige Maass nicht finden konnte. Und selbst bei seinenbeiden berühmtesten historischen Bildern bemerkt man,trotz der höchsten denkbaren Begabung für alles lebendigBewegte, dass die Schilderung des Seins mehr seine Sphäre-■ ist als die des Thuns. Das eine dieser Werke, die Ermor-dung des S. Petrus Martyr , in S. Giovanni e Paolo zu Ve nedig , war allerdings für ein colossales Altarblatt keineglückliche Aufgabe; der Heilige blickt, des Schlages wartend,gen Himmel; was er leidet, sagt mehr der wilde Sprung desMörders und die entsetzensvolle Geberde des Schülers;die Scenerie, ein dunkler Waldesrand mit Wolkenschatten,hinten in grellem Zwielicht das Gebirge, ist, wie bei Tizian durchgängig, überaus meisterhaft. Ungleich bedeutender er-3. scheint die Marter des h. Laurentius, ein ebenfalls riesigesAltarbild in der Jesuitenkirche zu Venedig (welches leider,wie das vorige, stark gelitten hat). Die schöne, edel verkürzte