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§• 209. 210. Spätere Venezianer. Tintoretto.
geborne Christuskind. Auch in der Farbe ist das Bild einHauptwerk des Meisters. Sehr schwach ist sein berühmtes 16.Paradies, in der Akademie zu Venedig (früher in der KircheOgnissanti zu Treviso ). Anziehender sind einige kleinereBilder, wie eine Maria mit dem Kinde und der heil. Mag- 17 .dalena im Palast Manfrini, und eine Ruhe auf der Fluchtim Palast Pitti zu Florenz . Eine andere Darstellung dessel- jg.ben Gegenstandes in der Bridgewater-Galerie. U. dgl. m.
Endüch ist unter den gegen die Mitte des XVI. Jahr-hunderts blühenden Künstlern Venedigs noch BatistaFranco, il Semolei, zu erwähnen, der in Rom studirthatte und unter die Nachahmer des Michelangelo gezähltwird. In seinen wenigen, in Venedig vorhandenen Gemäl-den erscheint er als ein ziemlich gemässigter Anhängerdes florentinischen oder römischen Styles und verbindetdenselben gut mit der eigentümlichen Richtung der Vene-tianer. Anziehend ist er besonders in kleineren, mehrdekorativen Darstellungen in den Kassettirungen von Ge-wölben, wie dergleichen z. B. am Gewölbe der Scala d’oro 19.im Dogenpalast und in einer Kapelle der Kirche S. Fran- 20 .cesco della Vigna erhalten sind. In grösseren Gemälden —die bedeutendsten in der eben genannten Kapelle — zeigter mehr manieristisches Wesen. — Ein vortreffliches Por- 21 ,trät, den Sansovino darstellend, im Berliner Museum.
§. 210. Die venetianische Schule erhielt sich längereZeit in der Blüthe, im Besitze einer wahrhaften, lebendigenOriginalität, als dies bei den andern italienischen Schulender Fall war. Gewiss hängt dies damit zusammen, dassVenedig der einzige bedeutendere Staat Italiens war, inwelchem der öffentliche Zustand, wie er im XV. Jahrhun-dert gewesen, fortdauerte. Diese glücklichen Verhältnissedes venetianischen Staates auf der einen Seite, auf derandern das gesunde Princip der Schule, sofern es vomem-lich auf Naturnachahmung beruhte, sind der Grund dieserErscheinung. Freilich kommen die venetianischen Meister,die in der zweiten Hälfte des XVI. Jahrhunderts blühten