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halbeil irgend ein Mensch, will schweigen E. Churfürsit. Durchlauchtigkcit in Abgunst oder Fahrkommen sollte."
Unterdessen war aber auch schon von dem Cardinal ein Schreiben an den Kurfürsten einge-troffen, worin Friedrich bei dem höchsten Zorne des Papstes aufgefordert wurde, den mit Bannbelegten Luther nicht langer zu Hausen. Wirklich ierhielt Luther den Befehl, das Land zu mei-den; er hatte schon sein Bündel geschnürt, um nach Frankreich z« wandern. „Vater, Mutter,rief er getrost, -erlassen mich, aber der Herr nimmt mich auf." — Der Kurfürst nahm jetztunvcrmuthct feinen Befehl zurück und hieß Luthern bleiben. Es scheint, daß er mehr den Kai-ser als den Papst früher gefürchtet. Da nun jetzt die Nachricht von dem Tode Maximilians ein-ging und Friedrich das Reichs-Dicariat übernehmen mußte, traute er sich Macht genug zu, sei-nem verfolgten Professor den nöthigen Schutz im deutschen Reiche zu schaffen. Seine Spracheändert sich jetzt, er tritt entschlossen auf Luthers Seite. Luther erkannte den Schutz, den derReichs -Vicarius ihm gewahrte, sehr freudig an. „Unter dem Vicariat des Churfürsten legtesich das Ungewitter merklich, und der Strahl des päpstlichen Bannes fing an nach und nachverächtlich zu werden. Das Evangelium ging unter dein Schatten dieses großen Fürsten glück-lich und wohl von statten, und breitete sich immer mehr und mehr aus. Und weil der Chur-fürst wegen seiner Klugheit und Scharfsinnigkeit allenthalben sehr berühmt war, so erweckte sol-ches bei vielen auch die Vermuthung: Es müssen diejenigen keine Ketzer seyn, noch ketzerischeLehre führen, die von einem solchen Herrn Schutz und Unterhalt zu genießen hatten rc." Leo X. fing unterdessen an, diese Handel ernster zu betracht«, seit er die entschlossene Sprache desKurfürsten ersayrcn. um sowohl diesen als Luthern selbst auf die eine oder andere Weise zu ge-winnen oder zu beschwichtigen, sendete er seinen Kämmerer Karl von Milti'z mit der goldenenRose an den Kurfürsten. Luther war willig genug, einer Einladung Miltizens nach Altenburg zu folgen, allein die Worte des glatten Höflings gleiteten an dem schroffen Luther ab. — „Mcht:'z, schreibt er, handelt viel mit mir, dass ich mich mit dem Papst in Versöhnung einlassen woll-te, und hatte mit sich wohl sicbcnzig Patenten, (offene Briefe der Landesregierung, in welchendem Besitzer gewisse Vorrechte ertheilt werden), dis er in allen Städten anschlagen sollte, wo michHerzog Friedrich ihm überantworten würde, damit er mich sicher nach Rom bringen könnte. Erverrieth sich aber selbst vor mir, was er in seinem Herzen gedacht und beschlossen hatte; denn ersagte: „O lieber Martine, ich gedachte, du warst nun ein alter verlebter Theologus, der Hin-tern, Ofen säße und also mit sich disputirte, aber ich sehe, daß du noch ein frischer, junger,starker Mann bist. Wenn ich gleich eine Armee von 25ooo Mann bei mir hatte, getrauete ichmir doch nicht, dich ans Teutschland zu bringen. Denn ich habe auf Dieser Reise hin und wie-der gcforschet, wie die Leute gcsinnet wären und was sie von dir hielten; da vermerkte ich so-viel: wo einer auf des Papstes Seiten stehet, so stehen wohl drei andere auf deiner Seite wi-der den Papst/" — Miltiz sah wohl ein, daß er mit Güte Luthern nicht gewinnen werde, undmit Gewalt konnte er sich auf sächsischem Grund und Boden nicht an ihn wagen. Er stellte ihmdeshalb eine Einladung in ein etwas entlegeneres Land zu, der jedoch Luther nicht folgte. — Wietreu es Luther sogar jetzt noch mit dem Papste gemeint, sehen wir aus mehrern Briefen an den-