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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Schutzes willen, welches mich sogar nicht gereut, daß ich mirs auch in Sinn genommen habe,in solcher Emsigkeit und Schärfe zu bleiben, unangesehen, wie mir daffelbige etliche auslegen rDa ich hier Christus Exempel habe, der auch seine Widersacher aus scharfer Emsigkeit nenntSchlangenbrut, Gleißner, Blinde, Teufelskindcr, und St. Paulus den Magum (Zauberer) heißtein Kind des Teufels, der voll Bosheit und Triegerei sey. Wenn die weichen zarten Ohrenhatten solches gehört, sollten sie auch wohl sagen, es wäre niemand so beißig und ungeduldigals St. Paul, und wer ist beißiger denn die Propheten? Aber zu unsern Zeiten sind unsre Oh-ren so gar zart und weich worden, durch die Menge der schändlichen Schmeichler, daß, sobaldwir nicht in allen Dingen gelobt werden, schreien wir, man sey beißig: und dieweil wir unssonst der Wahrheit nicht erwehren mögen, entfchlagen wir uns doch derselben durch erdichte Ur-sach der Bcißigkeit, Ungeduldigkcit und Unbescheidenheit. Was soll aber das Salz, wenn esnicht scharf beißet? Was soll die Schneide am Schwert, wenn sie nicht scharf ist zu schneiden?Verflucht sey der Mann, der das Wort des Herrn lässig treibet!"-

Dieweil ich denn weiß, wie Deine Heiligkeit webet und schwebet in Rom , das ist auf dem

höchsten und gefährlichsten Meer, daß Dir wohl Noth ist, des allergeringsten Christen Hülfe; so

habe ich es nicht für ungeschickt angesehen, daß ich Deiner Majestät so lange vergesse,^ bis ich

brüderlicher Liebe Pflicht ausrichte. Ich mag nicht schmeicheln in solcher ernsten gefährlichenSache."

Am Ende, daß ich nicht leer komme vor Deine Heiligkeit, so bringe ich mit mir ein Büch-lein unter Deinem Namen ausgegangen, zu einem guten Wunsch und Anfang des Friedens undguter Hoffnung, daraus Deine Heiligkeit schmecken mag, mit was für Geschäften ich gernewollte und auch fruchtbarlich möchte umgehen, wenn mirs vor Deinen unchristlichen Schmeich-lern möglich wäre." (Dies Büchlein handelt von der christlichen Freiheit, iund ist eine der vor-züglichsten Schriften Luthers . Er beweiset darin unwidcrsprechlich: daß der wahre Glaube, dersich durch reine, uneigennützige Menschenliebe im Leben äußert, frei, willig, fröhlich und seligmache.)Es ist ein klein Büchlein, so das Papier wird angesehen, aber doch die ganze Summedes christlichen Lebens darin begriffen, so der Sinn recht verstanden wird. Ich bin arm, habenichts anders, damjt ich meinen Dienst erzeige, so darfst Du auch nicht mehr, denn mit geistli-chen Gütern gesegnet werden. Damit ich mich Deiner Heiligkeit befehle, die ihm behalte ewigJesus Christus . Amen!"

In seiner Bulle hatte der Papst gedroht, Luthers sämmtliche Schriften zu verbrennen; Lu­ ther , der schon hart genug Verklagte, Machte dagegen durch öffentlichen Anschlag bekannt,daßrr des Morgens am 10 . December 1520 die päpstliche Bulle mit dem Canonischen Rechte vordem Clsicrthore verbrennen werde. Er hielt Wort, und übergab des Papstes Werke den Flam-men, mit den Worten der Schrift:Weil du den Heiligen des Herrn gelästert hast, so verzehredich das «wige Feuer!"Der Wurf ist geschehen, schreibt er an seine Freunde, Roms Gunstoder Ungunst mag dahin fahren. Denn ich will forthin nichts mehr mit ihnen zu thun haben,auch mich nimmer mit ihnen aussöhnen. Die Demuth und der so arg betrogene Gehorsam ha-ben hiermit ein Ende."