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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Friedrich, dein die weltlichen Händel, besonders die Kaiserwahl Karls V. jetzt viel zu schaf-fen machten, überließ es Luthern , seine Sache selbst durchzufechten, und dieser war damit ein-verstanden.Es gefallt mir, schreibt er an Spalatin, daß mein gnädigster Churfürst sich meinergänzlich entschlägt und mich frei dahin wirft, daß ich belehrt und überzeugt werde; indessen aber,wie Sr. Churfürst!. Gnaden in der Sache nicht lehren, noch Unterricht geben können, also istauch billig, daß sie nicht Richter noch Excel , tor seyn wollen. Was ich gethan habe, und nochthue, dazu werde ich gezwungen, und bin allezeit willig und bereit gewesen, zu ruhen und stillezu seyn, daferne man nur nicht verlangt, daß auch die Wahrheit des Evangelii ruhen solle.Wgnn sie dieses nicht von mir begehren, sollen sie alles von mir haben, ja ich will mich selbstzu allein freiwillig ergeben, mur daß der Weg zur Seligkeit vor Christen offen bleibe. Dieß ei-nige verlange ich, und weiter nichts. Kann auch was billiger und christlicher seyn? Ich sucheja weder Ehre noch Reichthümer, noch was sonst in Rom hoch gehalten wird. Oder wann ichsolches nicht erlangen kann, so entsetze man mich meines Amtes, und lasse mich in meinem Win-kel in der Wüste leben und sterben. Ich habe das Unglück, daß ich wider Willen lehren, unddarüber so viel Leiden ausstehen muß; andre lehren gern und haben Vortheil und Ehre davon.

Bei solcher Bewandniß aber kann ich mich auch weder für Drohungen fürchten, noch auf Ver-heißungen sehen."

Mit römischen Bannbriefcn gegen Luther kehrte O. Eck jetzt nach Deutschland Zurück, aberdies hatte keinen andern Erfolg, als daß sich die evangelisch Gesinnten naher kennen lerntenund ebenfalls öffentlich als Parthci auftraten. Hundert fränkische Ritter, an ihrer SpitzL Ulrichvon Hütten, Fe»»z von Olrringcn uno Schauenburg, boten Luthern Sicherheit auf ihren Bur-gen an, aber Luther wußte sich zur Zeit noch sicher genug in Wittcnberg, wo der Kurfürst ihmdie Versicherung gab:vor rechtlicher Derhörung und Ueberweisung werde er kein Verdam-mungsurtheil genehmigen." Den Rittern schrieb Luther zur Antwort:Der Streit betrifftnicht mich, sondern die Wahrheit. Diese ist Gottes Werk, welches zum Siege der menschlichenWaffen nicht bedarf, sondern blos des Beistandes und Schutzes Gottes. Auf dem vertraueich fest, wenn ich auch selbst in dem Kampfe erliegen und das Leben verlieren müßte. DieWahrheit wird doch den Sieg davon tragen."

Den deutschen Adel aber erfreute er für den Schutz, den ihm die Ritter zugesagt, mit demSendschreibenan den christlichen Adel deutscher Nation," worin er dem Papste nun dreist dieStirn bietet:Ich achte wohl, sagt er darin, daß ich zu hoch gesungen habe, viel Dings für-gegeben, das unmöglich wird angesehen, viel Stück zu scharf angegriffen: wie sollt ich ihm aberthun? Ich bin es.schuldig zu sagen. Es ist mir lieber, die Welt zürne mit mir, denn Gott .Man wird mir ja nicht mehr denn das Leben nehmen können.

Miltiz war Zeuge, wie wenig man den römischen Bannfluch achtete; er suchte Luthern (den12 . October 1520) in einem zweiten gütlichen Gespräch in Lichtcnbcrg zum Schweigen zu bewe-gen, und bat ihn noch einmal, an den Papst zu schreiben. Luther that es, aber mit strengenWorten.Ich habe scharf angegriffen etliche unchristliche Lehren, und bin auf meine Widersa-cher beißig gewesen, nicht um ihres bösen Lebens, sondern um ihrer unchristlichen Lehre und