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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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und wollten den Doctor Martinum sehen, und fuhr also in Herzog Friedrichs Herberge und warauch Herzog Friedrichen bange dabei gewesen, daß ich gen Worms kam. Der Bischof von MainZ hatte sich etwas anders versehen, denn daß ich sollte gen Worms kommen seyn."

Schon den andern Morgen nach seiner Ankunft wurde Luther durch den Reichs-Erbmarschall,Grafen Ulrich von Pappenheim, auf Nachmittag vier Uhr zum Verhör vorgeladen; ein kaiser-licher Herold holte ihn ab. Die Straßen waren mit Menschen angefüllt, ja selbst die Dächervon Neugierigen erstiegen, so daß Luther einen Umweg durch Garten nach dem Versammlungshausenehmen mußte. Im Vorsaal grüßten ihn viele Bekannte und Unbekannte, unter ihnen der berühmteFcldmarschall Frunsbcrg (Freundsberg), der alte Blücher seiner Zeit. Er klopfte ihn im Vorüberge-hen auf die Schulter und sagte:Mönchlein, Mönchlein, du gehst jetzt einen schwerern Gang,als ich und mancher Oberster auch in unser allcrernstesten Schlachtordnung nicht gethan haben.Bist du auf rechter Meinung und deiner Sache gewiß, so fahr in Gottes Namen fort und seynur getrost, Gott wird dich nicht verlassen." Jetzt öffneten sich die Flügelthüren und Luther trat vor eine glänzende Versammlung, wie er sie noch nie gesehen. Auf prächtigem Throne saßhier im kaiserlichen Schmuck, mit Scepter und Krone, Kaiser Karl; neben ihm sein Bruder,der Erzherzog Ferdinand, und im Halbkreise umher 6 Kurfürsten, 24 Herzöge, 95 Grafen, skönigliche Abgesandte, 30 Bischöfe und Prälaten, und viele Ritter des Reichs. Luther war aufder ganzen Reise krank gewesen, und der Kaiser, der gemeint hatte, einen gewaltig starken Mannzu sehen, sagte zu seinem Nachbar:der würde mich nicht bewegen, daß ich ein Ketzer würde."Der Kurtriersche Kanzler, Johann von Eck (der nicht mit dem Jngolstadter ü. Eck zu verwech-seln ist), nahm letzt im w Wort; er fragt mit kurzen Worten-.Erken-

nest du die vorliegenden Schriften für die deinen an? und willst du den Inhalt derselben wider»rufen?" Auf den Rath seines rechtlichen Beistandes laßt Luther sich die Titel der Bücher nen-nen, erkennt sie für die seinen an, erbittet sich aber für die zweite Frage Bedenkzeit bis zu demmorgenden Tage aus. So unwillig der Kaiser hierüber ward, so erlaubte ^r ihm doch die ge-wünschte Bedenkzeit, verlangte jedoch eine mündliche, nicht eine schriftliche Erklärung. LutherSFreunde vom Adel waren nicht unthätig; sie hatten sich das Wort gegeben, Luther aus jederFahrlichkeit zu retten, und von ihnen erschien ein Anschlag an dem Rathhausr zu Worms , worinder Kaiser geziemend gebeten ward, Luthcrn nicht ungehört zu verdammen; doch war die Dro-hung hinzugefügt, daß, wo dies nicht geschehe, 400 vom Adel in Geleit von 8000 zu Fuß undzu Roß bereit wären, Luther zu lösen. Unterzeichnet war dieser Anschlag mit dem dreimal wie-derholten WortePundschuh," zur Erinnerung an den Aufstand von 1503. Am zweiten Tageward Luther wiederum des Nachmittags um 4 Uhr vor die Reichsversammlung geführt; er hattediesmal zwei Stunden lang unter dem dichten Volksgedränge gestanden, doch faßte er sich Hertz-Hast und sprach, ju dem Kaiser gewendet, zuerst in deutscher, dann auf Verlangen auch in la-teinischer Sprache:Allcrdmchlauchtigster Kaiser, durchlauchtigste, hochgcborne Churfürsten,-gna-digste Herren! Ich erscheine als der Gehorsame auf dem Termin, so mir gestern Abend ange-setzt und ernannt ist, und bitte durch Gottes Barmherzigkeit, Eure Kaiserliche Majestät, Chnr-und Fürstliche Gnaden wollten diese gerechte und wahrhaftige Sache (wie ich hoffe) gnädigst an-

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