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hören, so ich aus Unverstand vielleicht einem Jeglichen seine gebührende Titul nicht geben odermich sonst irgend nicht nach Hofbrauch mit Geberden erzeigen würde, mirs gnädigst zu gutehalte», als der ich nicht zu Hofe gewcst, sondern im Kloster gesteckt bin, und von mir andersnicht zeugen kann, denn daß ich in dem, was von mir bisher mit einfältigem Herzen gelehrtund geschrieben ist, allein Gottes Ehre und der Christglaubigen Nutz und Seligkeit, damit die-selben rechtschaffen und rein unterrichtet würden, angesehen und gesucht habe."
Er ging hierauf seine Schriften durch, die er nach ihrem Inhalte in drei Abtheilungen ge-bracht hatte. „ Der erste Theil, sagte er, handelt vom christlichen Glauben und den guten Wer-ken, und müssen diese Schriften von meinen ärgsten Feinden unschädlich und lesenswerth erfundenwerden; diese kann ich nicht widerrufen, ohne die göttliche Wahrheit selbst zu verdammen. —Der zweite Theil enthält Bücher wider das Papstthum und dessen Diener, so durch falsche Lehreund bösen Wandel den Christen ein Aergerniß geben. Wollte ich diese widerrufen, so würde ichdes Papstes Tyranney bestärken und dessen Frevel mit Gottes Wort und dem armen Mann undHauffen noch mehr befördern. Der dritte Theil enthält die Schriften, so ich wider diejenigengerichtet, die des Papstes Tyranney zu vertheidigen gewagt; würde ich diese widerrufen, s»würde des Papstes Tyranncy wieder aufkommen und mit ihren Beschützern noch gräulicher wü-then, denn zuvor. Weil ich aber ein Mensch und nicht Gott bin, kann ich meinen Büchern an-ders nicht helfen, noch sie vertheidigen, denn mein Herr und Heiland Jesus Christus seiner Lehregethan hat, welcher, da er vor dem Hohenpriester Hannas um seine Lehre befragt, von des Ho-henpriesters Knecht einen Backenstrcich empfangen hatte, sprach: habe ich Übel geredet, so be-weise es, daß es unrecht sey. — Darum bitte ich durch dtt Barmherzigkeit Gottes E. K. Ma-jestät, Chur ? und Fürstl, Gnaden, oder wer es thun kann, er sey hohen oder niedrigen Standes,wollen Zeugniß geben, mich mit prophetischen und apostolischen Schriften überwinden, daß ichgeirrt habe; alsdann, so ich überzeugt bin, will ich ganz willig und bereit seyn, allen Irrthumzu widerrufen, und der erste seyn, der meine Büchlein ins Feuer werfen will." Herr Eck fielihm hier heftig ein: „Das wäre eine gehörnte Rede, er sey nicht gefordert zu disputiren, son-dern eine runde, einfältige Antwort zu geben, ob er widerrufen wolle oder nicht? Luther erwie-derte; „Weil dann eine schlechte, einfältige, richtige Antwort von mir verlangt wird, so willich eine geben, die'weder Hörner noch Zähne haben soll, nämlich also; es sey denn, daß ich mitZeugnissen der heiligen Schrift, oder mit öffentlichen, hellen und klaren Gründen und Ursachenüberwunden und überweiset werde, denn ich glaube weder dem Papst noch den Concilien alleinnicht, weil es offenbar und am Tage ist, daß sie oft geirrt und sich selbst widersprochen haben,und ich also von den Sprüchen, die von mir angezeigt und eingeführt sind, überzeugt, und meinGewissen in Gottes Wort gefangen ist; so kann ich und will ich nichts widerrufen, weil wedersicher noch gerathen ist, etwas wider das Gewissen zu thun. Hier stehe ich; ich kann nicht an-ders, Gott helfe mir! Amen." — Noch einmal verlangte der Kanzler, Luther sollte mit Jaoder Nein kurz antworten; da wandte ev sich an den Kaiser und bat ihn: er möge nicht weiterin ihn dringen lassen, etwas wider sein Gewissen zu reden. — „ Als ich solches ausgeredet, er-zählt er seihst, ließ man mich gehen, und wurden mir Zween zugegeben, Die mich führten und
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