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Als Luther zur Erwiederung sein Glas an den Mund nahm, zei-fprang.es. Gegenwärtige Frenn--de von ihm sahen darin ein Zeichen des Himmels, der ihn vor Gift gerettet; Luther dagegensagte mit Lächeln: „Liebe Herren, der Trunk ist mir entweder nicht beschecrt, oder nicht gesundgewesen, und gewiß sprang das Trinkgeschirr, weil man es zu schnell in kaltem Wasser abkühlte."Als Luther einen neuen kaiserlichen Geleitsbrief auf 21 Tage erhalten, dankte er dem Kaiser mtdden Fürsten , die ihm Treu und Glauben gehalten, erklärte ihnen jedoch, daß er die ihm gestellteBedingung: auf der Reise weder zu schreiben noch zu predigen sich nicht könne gefallen lassen,„da das Wort Gottes ungebunden seyn wollte." Er verließ Worms am 26. April; der kaiser-liche Herold Caspar Sturm und seine frühern Reisegefährten waren bei ihm. Von Friedberg schrieb er unter dem 28 . April an den Kaiser und an die Reichsstande. Nur den Schluß des schonenBriefes an den Kaiser theilen wir mit: „Nec hactenus aliud quaesivi, quam gloriam Dei et com-munem omnium salutem, nihil quod mihi utile esset considerans, etiamnum sive adver-sarii me condemnent sive minus. Si enim dominus meus pro inimicis suis in cruce ora-vit: quanto magis ego pro 8. Maiestate Tua, pro imperio toto et charissimis meis maio-ribus totaque patria Germania , de quibus non nisi optime spero, fretus liac fiduciae meaeexhibitione, cum gaudio et fiducia in Christo solicitus esse, orare et obsecrare debeo. —*
Schon in Hirfchfcld betrat er wieder die Kanzel; die Bürger holten ihn feierlich ein und der Abtgab ihm ein Festmahl. „Der Rath von Hirschfeld, erzählt Luther , hat uns unter den Thorenbewillkommt, der Abt hat uns in seinem Kloster köstlich bewirthet und noch in seinem Zimmereinquartiert. Den 5tcn Morgens haben sie mich gezwungen zu predigen, da ich vergeblich ange-führt, der Abt möge seine Einkünfte verlieren." — Di« Bürger zogen von Eisenach Luthernebenfalls entgegen, und er mußte auf ihr Bitten in der Stadtkirchr predigen. Von hier ausbesuchte er noch mit kindlicher Erinnerung an seine früheste Jugendzeit sein stilles Dörfchen Möre,wo er noch seine Großmutter sah. — Kurfürst Friedrich hatte indessen in Worms erfahren, wieder Kaiser, durch die Papisten überredet, den Achtsbrief gegen Luther schon vollzogen habe. Aberbevor noch dieser Befehl (vom 26. Mai 1521) erschien, worin „bei schwerster Strafe gebotenwurde, den in Menschengestalt in Mönchsklcjd vermummten Teufel, Martin Luther , nirgendszu Hausen, zu Höfen, zu ätzen, zu tränken, sondern zu fangen und gebunden zum Kaiser zu brin-gen," hatte der Kurfürst mit kluger Vorsicht für seinen D. Martin gesorgt. Denn als Luther am 4. Mai von Möre seines Weges weiter zieht, wird er von verkappten Reutern überfallenund auf das feste Schloß Wartburg bei Eisenach geführt. Aus Luthers eigenen Briefen sehenwir, daß er von seiner Entführung unterrichtet war, ohne jedoch das Nähere davon zu wissen.An Cranach schreibt er von Frankfurt den 27 , April: „Lieber Gevatter Lucas, ich segne und be-fehle euch Gott . Ich lasse mich einthun und verbergen, weiß selbst nicht, wo? wiewohl ich lieberden Tod erlitte, muß aber doch guter Leute Rath nicht verachten, bis zu seiner Zeit. Es mußeine kleine Zeit geschwiegen und gelitten seyn." Lttther wußte jedoch selbst nicht einmal, wer seinWirth sey; von der Wartburg schreibt er an einen seiner Freunder „Ihr durft nicht gedenken,daß ich über mei« Exilium ungcdultig ftyc. Mir liegt nichts daran, ich lebe wo ich wolle,wenn ich nur endlich diesen Lent-n nicht beschwerlich falle; denn ich wollte nicht, daß jemand