begleiteten. Da erhob sich ein Getümmel; ob man mich gefangen führte, schrien die Edelleute;aber ich sagte: sie begleiten mich nur. Also kam ich wieder in meine Hrrberg, und kam nichtwieder in des Reiches Rath." —
So hatte Luther mit festem Muthe vor Kaiser und Reich geredet; es war dies nicht allein fürihn und die, welche schon lang ihm zugethan waren, sondern selbst für die Unsichern und Schwanken-den eine neue Bewahrung der Wahrheit, die feindliche Parthei aber hielt eine heilige Scheu vorsolch einem Manne zurück. „Wie schön hat nicht, sagte Kurfürst Friedrich, mein Pater Martinheut geredet vor dem Herrn Kaiser mrd dem Reich. Er ist mir zu muthig." Der alte HerzogErich von Braunschweig, der hartnäckig auf der Seite der römischen Kirche stand, gewann Lu-thern so lieb, daß er ihm an demselben Tage einen silbernen Krug mit Eimbecker Bier zur Stär-kung bringen ließ. Andere katholische Fürsten, als der Kurfürst von Trier, der Kurfürst Lud-wig von der Pfalz, sprachen für ihn und empfahlen ihn dem Kaiser, und als einige römisch Ge-sinnte davon sprachen, daß man einem Ketzer das Geleit nicht zu halten brauche, sagte HerzogGeorg von Sachsen, sonst ein Feind Luthers : „die deutschen Fürsten werden die Schande, daßman das Geleite sollte brechen, zumal auf dem ersten Reichstage des Kaisers, nimmermehr zu-lassen, es kommt solches mit der alten deutschen Redlichkeit nicht übcrein; was man versprochen,muß man auch halten." Derselben Meinung war auch der Kaiser; er wies die bösen Antragemit den Worten zurück; „Wenn Treu und Glauben nirgends mehr gelitten werden, sollen siedoch an den fürstlichen Höfen ihre Zuflucht finden." — Der Kurfürst Richard von Trier veran-laßte noch ein Gespräch Luthers mit dem badenschen Kanrler v. Vehus (Uhe), wobei auch Kur-fürst Joachim I. V,a„ori>vulg uno oer Bischof von Augsburg gegenwärtig waren. Man
trägt ihm an, Kaiser und Reich, oder eine Kirchenversammlung diesen Handel entscheiden zulassen; er willigt ein, mit dem Beding: daß die heilige Schrift dabei zum Grunde gelegt werde;und als nun endlich der Kurfürst von Trier in aller Verlegenheit rathlos ausruft: wie soll dieseSache ein Ende gewinnen? antwortet ihm Luther mit den Worten Gamaliels *): „Und nunsage ich euch, lasset ab von diesen Menschen und lasset sie fahren. Ist der Rath oder das Werkaus den Menschen, so wirds untergehen: Isis aber aus Gott, so könnt ihrs nicht dämpfen, aufdaß ihr nicht erfunden werdet, als die wider Gott streiten wollen." — Eine gleiche Antwortließ er seinem Kurfürsten durch Spalatin sagen, der ihn nochmals zu gütlicher Ausgleichung auf-gefordert hatte. „Und wenn ich tausend Köpfe hätte, ich wollte sie mir eher lassen alle abschla-gen, denn einen Widerruf thun! sagte er zu Spalatin ; doch wünsche ich, wenn ich je ermordetwerden soll, daß dieses doch bloß allein durch die Romanisten, und nicht durch den lieben jungenKaiser geschehen möchte, da man weiß, wie fürchterlich die göttliche Rache den Kaiser Sigmundfür Hussens Ermordung verfolgt hat." — So streng er auch dem Kurfürsten von Trier geant-wortet, so hatte er sich doch die völlige Achtung desselben erworben, und er scheute sich nicht,ihn zu einem festlichen Abcndbrode einzuladen. Die katholische Gesellschaft ward so munter beimWein, daß sogar der heftige Kanzler D. Johann Eck öffentlich auf das Wohl o. Martins trank.
') Apostelgeschichte s, 38. sg>