Buch 
Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
Entstehung
Seite
31
JPEG-Download
 

und Thomas Münzer zum Wiedertäufer und Aufwiegler ward, da h.elt es Luther für nöch.g,den Kurfürsten davon zu unterrichten, daß er seinen Gewahrsam verlassen müsse. Der Kurfürstselbst hatte bei Luther anfragen lassen, wie dem Unheile zu begegnen sei. Luther verließ den uMärz 1522 die Wartburg zum zweitenmale *); er schreibt von Borne am Aschermittwoch an denKurfürsten;Aus Liebe zu Ew. Churfürstl. Gnaden habe ich dies Jahr mich emschl.eßen las-sen; - Dieser Sachen kann kein Schwerd rathen oder helfen; Gott muß hier allem schassen,

ohn alles menschliche Zuthun und Sorgen.-Dieweil denn ich nicht will E. Ch. F. - °'

gen, so ist E. Ch. F. G. vor Gott entschuldigt, so ich gefangen oder getodtet wurde,den sie aber je so unvernünftig seyn, und gebieten, daß E. Ch. F-G. selbst die Hand a" mi )lege, will ich E. Ch. F. G. alsdenn sagen, was zu thun ist. Ich will E. Ch. F. G. ptya tund Gefahr sicher halten an Leib, Gut und Seele, meiner Sachen halben. Weiter wollen maufs schierste reden, so es Noth ist; denn diese Schrift habe ich eilend abgefertiget, daß n> rC. Ch. F. G. Betrübniß anführe, von dem Gehöre meine* Zukunft.

Bald nach seiner Ankunft in Wittenberg (den 5. März 1522 ) stillte Luther die dortigen Un-ruhen durch milde und ernste Ermahnung;Ihr habt, sagt er in seiner ersten Predigt, einegute Absicht gehabt!" hebt er mit sanfter Milde au,aber" fahrt er ernster fort, ,,mder Art eures Handelns habt ihr geirrt, habt gegen Weisheit, Liebe, Demuth, Ordnung gesun«digt. Statt des edlen Verbesserungseifers ist wilde, lose Neuemngswutl) in euch gefahren, unstatt der Liebe die Gewalt. Man sov aber Niemand handgreiflich und mit Haaren von seinenMeynungen abreißen, sondern soll sich begnügen, die Belehrungen Gottes zu verkündigen, undnun sein Wort wirken lassen auf die Herzen, die frey gelassen werden müssen. Als später Tho-mas MÜnzer erklärte, daß der Geist ihn treibe, sich der Obrigkeit mit Gewalt der Waffen zuwidersetzen, schrieb Luther jenen merkwürdigen Brief an den Kurfürsten Friedrich und HerzogJohann, vom 2 i. August 1524, worin er über den Gang, den er der Reformation gewünschthatte und über die Weise, wie er sein Werk unternommen und durchgeführt, ohne jemals zurGewalt seine Zuflucht zu nehmen, sich sehr bestimmt ausspricht. «Ob sie aber, sagt er vonMünzer und seinen Anhängern, vorgeben mußten, wie sie denn mit prächtigen Worten pflegen:der Geist treibe sie, man müsse es zu Werk bringen und mit der Faust darein greifen; da ant-worte ich also: Erstlich, es muß ein schlechter Geist seyn, der seine Frucht nicht anders beweisen kann,denn mit Kirchen und Klöster zerbrechen und Heiligen verbrennen. Zum andern, daß sie denGeist rühmen, gilt nicht; denn wir haben hier St. Johannis Spruch: man soll die Geister prü-fen, ob sie aus Gott sind. . *Was ist das für ein Geist, der sich vor zweien oder dreienfürchtet? Er will nicht stehen denn da, wo die Seinen ja sagen zu seinen trefflichen Wor.ten. Ich kann mit so hohen Worten nicht rühmen und trotzen, habe meine Sache nicht sohoch angefangen, sondern mit großer Furcht. Wie demüthiglich griff ich den Papst zuerst an,wir flehte ich, wie suchte ich; als es meine ersten Schriften ausweisen. Dennoch habe ich in

I Ein Zeugniß »an ?ntf)ers Gemütsruhe in jener bewegten Zeit, und zugleich von der damaligenDolksstimmung find,, man in der Beilage Nv. 3.