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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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32
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diesem amen Geiste das gethan, das dieser Weltfressergeist noch nicht versucht, sondern bishergescheut und geflohen hat. Denn ich bin zu Leipzig gestanden, zu disputiren vor der allergefähr-lichsten Gemeine. Ich bin zu Augsburg vor meinen höchsten Feinden erschienen; ich bin zuWorms vor dem Kaiser und ganzen Reiche gestanden, ob ich wohl zuvor wußte, daß mir dasGeleit gebrochen war und wilde seltsame Tücke auf mich gerichtet waren. Wie schwach und armich da war, so stand doch mein Herz der Zeit also: Wenn ich gewußt hatte, daß so viel Teufelauf mich gezielt hatten, als Ziegel auf den Dächern waren zu Worms , wäre ich dennoch einge-ritten und hatte nichts von himmlischer Stimme gehört, wie diese von sich rühmen. Ich habe müssenin Winkeln einem, zweien, dreien stehen, wer, wie und wo man hat gewollt. Mein blöder und armerGeist hat müssen frei stehen, als eine Feldblume, und keine Zeit, Person, Statte, Weise oder Maßbestimmen, hat müssen, jedermann bereit und erbötig seyn zur Antwort, wie St. Petrus lehrt."Nachdem Luther weiter über den Hochmuth Münzers gesprochen, der sich zu keinem Gespräch stel-len wollen, schreibt er am Schluß:Jrtzt sey das die Summa, gnädigste Herren, daß Ew. Fürst«,liche Gnaden sollen nicht wehren dem Amte des Wortes. Man lasse sie nur getrost und frischpredigen, was sie können und wider wen sie wollen; denn es müssen Sekten seyn, wie S. Paulusan die Corinther schreibt:es müssen Rotten unter Euch seyn, auf daß die, so rechtschaffen unterEuch find, offenbar werden." Ist ihr Geist recht, so wird er sich vor uns nicht fürchten; ist derunsere recht, so wird er wohl bleiben. Man lasse die.Geister auf einander treffen und platzen.Wo sie aber wollen mehr thun, denn mit den Worten fechten, wollen auch brechen und schlagen,

mit der Faust, da sollen Ew- Fürst. Gn. zugreifen, es s«v-« wir oder sie, und stracks das Land

verboten und gcsugrr Wir wvuen gerne leiden und zusehen, daß ihr. mit dem Worte fechtet,, daßdie rechte Lehre bewährt werde, aber die Faust haltet stille, denn das ist unser Amt, oder hebt-

Euch zum Lande hinaus. Ich habe noch nie einen Stein angetastet und gar nichts gebrochen

noch gebrannt an Klöstern; doch werden durch mein Wort an viel Orten die Klöster ledig, auch'unter den Fürsten , die dem Evangelio zuwider sind. Hatte ich's mit dem Sturm angegriffen,wie diese Propheten thun, so wären die Herzen gefangen geblieben in aller Welt u. s. w."

Nun besänftigte er auch in der Gegend umher in den Städten und auf dem Lande das auf-geregte Volk. Nach Süd-Deutschland, wo bald der Aufruhr am gefährlichsten ausbrach, erließer mehrere beruhigende Schriften. Er legte nach der gänzliche» Auflösung des Augustincrklostersdie Mönchskleidung ab und predigte den sten October zum ersten Male in einem, ihm von demKurfürsten geschenkten Priesterrocke von schwarzem Tuche. Siche.yei^als je zuvor wandert Luther umher, der Papst weiß seinen Bannflüchen, der Kaiser seiner Acht und Aberacht keine Gültig-keit zu schaffen, so sehr auch Luther sie auf's neue herausfordert.

Von Rom aus, wo jetzt der deutsche Hadrian VI. (1522) znm Nachfolger Leos X. erwähltworden war, gab man sogar jetzt zu, was früher schon das Concilium ausgesprochen, daß derKirche eine Reformation an Haupt und Gliedern Noth thue, und Hadrian sprach es selbst in ei-ner Schrift, die Luther des Uebcrsetzens werth Hielt, aus:daß auf dem heiligen Stuhle des.Unheils viel begangen worden, daß das Uebel von dem Haupte ausgegangen sei und die Gliederangefressen habe." Von nun an wird Luther nicht mehr persönlich verfolgt, seine Lehre wird