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und andere frei« Künste zu lehren? — Antwort; Freilich weiß ich leider wohl, daß wir Deut-schen müssen immer Bestien und tolle Thirre seyn und bleiben, wie uns denn die umliegendenLander nennen und wir auch wohl verdienen. Mich wundert aber, warum wir auch nicht ein-mal sagen: Was sollen uns Seide, Wein, Würze und die fremden, ausländischen Waaren, sowir doch selbst Wein, Korn, Wolle, Flachs und dergleichen die Fülle haben in deutschen Landen,nicht allein zur Nahrung, sondern auch die Kühr und Wahl zu Ehren und Schmuck? — DieKünste und Sprachen, die uns ohne Schaden, ja! größerer Schmuck, Nutz, Ehre und Frommensind, wollen wir verachten, und der ausländischen Waaren, die uns weder noth, noch nütze sind,dazu uns schinden bis auf den Grad, der wollen wir nicht cntrathen? — Zwar wenn kein ande-rer Nutz an den Sprachen wäre, sollte doch uns das billig erfreuen und anzünden, daß es soeine edle, feine Gabe Gottes ist, damit uns Deutschen Gott jetzt so reichlich fast über alle Län-der heimsuchet und begnadet. — Und lasset uns das gesagt seyn, daß wir das Evangelium nichtwohl werden erhalten ohne die Sprachen. Sie sind der Schrein, darin man dies Kleinod träget,und das Gefäß, darinnen man diesen Trank fasset. Ja! wo wrr's versehen, daß wir, (da Gott
vor sey!) die .Sprachen fahren lassen, so werden wir nicht allein das Evangelium verlieren, soir-
dcrn wird auch endlich dahin gerathen, daß wir nicht „Deutsch " recht reden oder schreiben kön-nen." —
Wenn wir so manchem ungestümen Worte Luthers begegnet sind, und er uns bisher mehrheftig als beruhigt erschien, so beginnt nun die Zeit, wo.er wenig von außen gereizt und her-ausgefordert, nun milder Kurv ß?v h.'"» siiuc harte Weise zu sprechen und zu schreibenein vollkommncs Bewußtsein, er kannte aber auch den harken Stand, den er hatte; immer aberfteucte er sich der milderen Weise seines Freundes Melanchthon . „Ich bin dazu geboren, daß„ich mit den Rotten und Teufeln muß kriegen, und zu Felde liegen; darum meine Bücher vielstürmisch und kriegerisch sind. Ich muß die Klötze und Stämme ausrotten, Dornen und Heckenweghauen, die Pfützen ausfüllen, und bin der grobe Wadrechtcr, der Bahn brechen und zurichtenmuß. Aber M. Philipp fähret säuberlich und stille daher, bauet und pflanzt, säet und begeustmit Lust, nachdem Gott ihm hat gegeben seine Gaben reichlich." -* .
Es erschien 1524 das erste deutsche Gesangbuch *) von ihm und er sorgte selbst für passende
Singwciscn, denn er war in der Tonkunst nicht unerfahren. „Das ist das beste Labsal, jagt er,
*) Es bestand nur aus 3 einzelnen Bügen, enthielt 8 Lieder und nur 5 Singweisen. Es fuhrt den Titel:Etlich Christlich Lieder, Lobgesang und Psalm dem reinen Wort Gottes gemäß aus der Heil. Schriftduich mancherlei Hochgelehrter gemacht, in den Kirchen zu st"gen. — Lnihcr's Name steht »ich«dabei. — In Karl Grell'« Sammlung der geistlichen Lieder Luthers (Berlin 1817^ werden 35 geist-liche Lieder Luthers mitgetheilt und noch außerdem sieben, von denen inan nicht gewiß weiß, ob Luther der Verfasser ist. — Von Luther» Singweisen haben sich ,6 erhalten; der berühmte Händel sagt vonihnen: ,,cr habe ste sludiri und danke ihnen sei» Beste«. Luther gab auch r^zg vierstimmige Motetten
heraus unter dem Titel: Symphoniae iücundae g vociUn scti Moleilae 52 ctuu praefatione Mariini Lu-
theri. "Viteb. upud Georg Khaw, 1538 4 ' — Die Sächsisch?» Kapellmeister Zoh. Wallher und 2 oh.Rupff lud Luther zu sich „ach Wiltenbcrg, um gemeinschaftlich mit ihnen zu Musiciren. (Joh. Jmma>nuel Müller«: D. M. Luthers Verdienste um die Musik. Erfurth >817.)