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uicht nur im Süden und Norden Deutschlands bekannt, das Lutherthum verbreitet sich weiterdurch den ganzen Norden Europa's , wiewohl der bescheidene Mann, sich hierbei nicht genanntwissen will. In seinem Ausschreiben an alle Christen sagt er: „Zum Ersten bitte ich, man wollemeines Namens schweigen, und sich nicht lutherisch, sondern Christen heißen. Was ist Luther ?Ist doch die Lehre nicht mein. So bin ich auch für Niemand gekreuzigt. Wie käme dann ich armerWurm dahin, daß man die Kirche Christi sollte mit meinem Namen nennen? — Ich bin umdeßwillen meinen Büchern ftind und wünsche oft, daß sie möchten untergehen, darum, daß ichbesorge, sie möchten den Leser aufziehen, hindern und abhalten, daß er die Schrift nicht lese, dieallein der Brunn und Ursprung ist aller Wahrheit." —
Im Jahr 1523 erscheint von ihm das erste Neue Testament. Er arbeitete viel in Gemein-schaft mit seinen Freunden. „Helfet mir, schrieb er an den Hofprediger Spalatin , die Wortezurecht setzen, aber also, daß Ihr keine Hof- und Schloß- Wörter an die Hand gebt; denn die-ses Buch will nur auf gemeine und einfältige Art erklärt seyn. Von den jungen Hebraistenhabe ich viel erwartet; aber es geht mir wie dem König Salomo, welcher auf was Köstlichesaus Indien hoffte, und Affen und Pfauen erhielt." —
Die ganze heilige Schrift erschien zuerst 1535, noch vollständiger 1542. Welchen Fleiß Lu ther darauf verwendet, erfahren wir, wenn wir es sonst nicht wüßten, aus seinem eigenen Ge-ständniß. „Ich habe mich dessen gcflissen im Dollmetschen, daß ich rein und klar deutsch gebenmöchte. Und ist uns wohl oft vcgcgncr, daß wir vierzehn Tage, drei, vier Wochen haben eineiniges Wort gesucht und gefragt, Habens dennoch zuweilen nicht funden. Im Hiob arbeitetenwir also, M. Philippus und Aurogallus und ich, daß wir in vier Tagen zuweilen kaum drei Zei-len könnten fertigen. Nun es verdeutschet und bereit ist, kanns ein Jeder lesen und meistern,läuft einer jetzt mit den Augen durch drei, vier Blätter, und stößet nicht einmal an; wird abernicht gewahr, welche Wacken und Klötze dagelegen sind, da er jetzt überhingehrt, wie über eingchöfelt Bret, da wir haben müssen schwitzen und uns ängsten, ehe denn wir solche Wacken undKlötze aus dem Wege räumten, aus daß man so srei konnte daher gehen. .Es ist gut pstugen,wenn der Acker gereinigt ist; aber den Wald und die Stöcke ausrotten und den Acker zurichten,
da will Niemand an._Was soll ich viel und lange sagen von Dollmetschen? Sollte ich aller
meiner Worte Ursachen und Gedanken anzeigen, ich müßte wohl ein Jahr dran zu schreiben ha-ben." — Ich meinte auch, ich wäre gelehrt; nun sehe ich aber, daß ich nicht einmal meine an-gcbohrne deutsche Sprache kann. Ich habe auch bisher noch kein Buch noch Brief gelesen, darechte Art deutscher Sprache innen wäre. Es achtet auch Niemand recht deutsch zu reden, son-derlich die Kanzclcicn und Prediger, die sich lassen dünken, sie haben Macht, deutsche Sprachezu andern und dichten uns täglich neue Wörter." (Luther in der Vorrede zur Dollmetschnng der5 Bücher Mose 1523.)
Den kleinen Catechisnins schrieb er zunächst für die niederen Schulen, für welche er mitbesonderer Liebe sorgte, obwohl er auch wissenschaftliche Bildung in den höhern Lehranstalten nichtversäumt wissen wollte. In Beziehung hierauf sagt er: „Ja! sprichst Du, ob man gleichmüßte und sollte Schulen haben, was ist uns aber nütze, lateinische, griechische, ebraische Zunge»
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