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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Teufel, sauer läßt ansehen, hoffen wir doch, Gottes äugefangene Gnade soll auch fort desto stär-ker und mehr bei uns seyn. Sie seyn ja so Wohl in Gottes Hand als wir."

So ungnädig auch der Kaiser die evangelischen Stande entließ*), so war doch Luther mit dem,was auf diesem Reichstage geschehen war, vollkommen zufrieden; er sah die Annahme l>es Glaubens-bekenntnisses mit Recht als eine-Anerkennung desselben an.Der Reichstag in Augsburg , schreibter, ist alles Lobes werth. Denn da ist das Evangelium auch in andere Nation und Land unterdie Leute komiücn, wider beyder, des Kaisers und des Papstes, Willen und Versehen. Gott hatdiesen Reichstag zu Augsburg angesetzt, damit das Evangelium weiter ausgebreitet und fortge-pflanzt würde. >

Karl sah sich jedoch bald wieder durch äußere Feinde so bedrängt, daß er die strengen Be-fehle im Innern des Reichs nicht zur Vollziehung bringen konnte. Die Türken drängten an derDonau aufwärts, er bedurfte zur Abwehr dieses Erbfeindes der Christenheit der Hülfe derevangelischen Fürsten und die Beisteuer ihrer Unterthanen. Selbst Luther steuerte willig hierzubei, und als der Kurfürst sein Landgütchen davon frei zu lassen befahl, schrieb er:Ich möchtemit meinen armen Pfennigen gern auch mit in dem Heere wider die Türken seyn, neben andern)die es gern geben. Der Unwilligen ist sonst genug."

Solche Uneigcnnützigkeit zeigte Luther noch bei mancher andern Gelegenheit. Als ihn Kur-fürst Johann Friedrich einen-reichen -Kux in den Schneebcrger Silber-bergwerken geben wollte,nahm er dies Geschenk nicht an, sondern schrieb dem Kurfürsten:Mir gebühret viel besser,daß ich mit meinem Vater unsere Zubuße gebe, damit die Erze bestehen und die Ausbeute wohlangelegt werde.." Und,doeb off m« " f» »hnc Gxlv, daß er einst einem armen Studenten,der ihn um einen Zehrpfcnnig ansprach, einen silbernen Becher, ein Geschenk des Kurfürsten)gab, um ihn bei dem Gvldschmidt zu verkaufen, und da der Student sich weigerte, dies werth-volle Geschenk anzunehmen, drückte Luther den Becher zusammen und sagte:nun ist es altSilber, laß es dir münzen."

Wenn Luther mit unerschütterlichem Glaube» an den Sieg der Wahrheit nie gezweifelt hat-te, so ward ihm jetzt auch noch die beruhigende Genugthuung zu Theil, die Sache des Evange-liums durch einen öffentlichen Staatsact festgestellt zu sehen. In dem Religionsftiedcn zu Nürn­ berg (23. Jul. 1532 ) wurden die Evangelischen nun förmlicher als je zuvor als eine mit denKatholischen in gewisser Hinsicht gleich berechtigte Parthci anerkannt, indem der Kaiser befahl,daß bis zu dem nächsten Reichstage keine Parthci die andere befehden sollte." Auch der zweiteKurfürst aus dem Hause Sachsen , der mit beharrlichem Muthe sich an die Spitze des evangeli-schen Bundes setzte, nahm diesen Trost, das Recht, seine Parthci öffentlich anerkannt zu sehen,mit ins Grab ( 17 . August 1532).

Der dritte Kurfürst, dem Luther als Landesfürstcn huldigte, war mit noch rascherem Eifer

*) In dem Abschiede hieß ti: Wer, weß Standes er sey, Allem, was bisher in der römisch -kachelt«scheu Kirche geordnet, gesetzt und gebraucht worden, sich nicht gehorsam bezeigen, sonder» in Neue-rungen verfalle» werde, solle gestraft werden um Leib, Lebe» und Gut."