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der evangelischen Lehre zugethan, als sein Vater und sein Ohm. — Bei solchem Schutze vonSeiten der weltlichen Macht sah Luther die erneuerten Angriffe von Rom aus immer gleichgül-tiger an. Dort hatt« Papst Paul III. sich vorgenommen ein Concilium auszuschreiben, undsolches zu Mantua den 23. Mai 153? zu eröffnen. Um seiner Sache noch sicherer zu sein,schickte jedoch der Papst, aus guter Vorsicht schon zwei Jahre vorher, einen vornehmen Herrn,den Kardinal Vcrgerius, an Luther ab, ihn höflichst nach Mantua zu laden. Vergerius hieltaus einem Esel mit einem Gefolge von 21 Pferden (7. November 1535) in Wittenberg seinenEinzug. Er beschied am andern Morgen Luther zu sich. Von dieser merkwürdigen Unterredungist uns Folgendes in Luthers Schriften aufbewahrt: „Unter andern haben sie von einem Con-cilio zu reden angefangen, da hat 1). Martin zu ihm also gesagt: Es ist nicht euer Ernst, daßihr ein Concilium halten wollet, es ist nur euer Spott; und wenn ihr gleich ein Concilium hal-tet, so würdet ihr doch nichts handeln, denn von Kappen, Platten, Essen, Trinken und derglei-chen Narrenwcrk, und um anderer unnützer, unnöthigcr Dinge halber, daß wir vorhin wohl wis-sen und gewiß sind, das nichts ist. Aber von dem Glauben und Rechtfertigkeit, auch andernnützen und wichtigen Sachen, wie die Gläubigen möchten in einträchtigen Geist und Glaubenstehen, da gedenket ihr nicht eines zu halfen; denn es wäre nicht für euch. Wir sind durch denH. Geist der Dinge aller gewiß, und dürfen gar keines Concilii rc. Nun wolan, habt ihr Lustdazu, so machet eines, ,'d) will, ob Gott will, kommen, und wenn ich wüste, daß ihr mich ver-brennen solltet."
Aus dem Ausschreiben des Papstes erkannte die evangelische Parthei, daß es ihm nicht Ernstsein könne, mit ihnen zu verhandeln, da er durchaus nicht von einem Vergleiche, sondern nurvon Ausrottung der Ketzer sprach.
Im Ganzen nahm Luther die Sache nicht so ernst, als die evangelischen Fürsten sie ansahen,die deshalb eine neue Zusammenkunft nach Schmalkalden ausschrieben. Der Kurfürst Johann Friedrich forderte Lnthern auf, nochmals die Glaubensartikel der evangelischen Kirche aufzusetzen,damit man sie dem Concilio vorlegen könne. Dem Kurfürsten scheint die Augsburgische Confes.sion deshalb nicht genügt zu haben, weil sie ihm noch zu -gelinde abgefaßt, und mancher Punkt,besonders die Gewalt des Papstes, darin gar nicht berührt worden war. — Luther übersendetedem Kurfürsten die schmalkaldischcn Artikel mit einem Schreiben, worin er unter andern sagt;„Weil so Manche uns Geistliche verlaumden, als wollten wir mit unserm Halsstarrigen fürnch-me Fürsten und Herren in Gefahr fetzen, da wir es doch viel lieber ganz allein auf unsern HalSnehmen wollen, so mögen Ew. Ch. F. G. wohl mit sich zu Rath gehen und überlegen, wie weit'sie diese Artikel annehmen wollen, oder nicht; denn ich und meine Gehülfen befahren Niemanddamit zu binden, sondern nur uns allein und diejenigen, welche sich freiwillig dazu verpflichten."Luther folgte dem Kurfürsten nach Schmalkalden , doch befand er sich so leidend, daß er fastkeinen Antheil an den dort gepflogenen Berathungen nehmen konnte. Er kehrte krank nach Wit-tenberg zurück, und die körperliche Empfindlichkeit wurde noch mehr durch so manchen Verdruß,den ihm die Unordnung der Bürger, Studenten und Geistlichen von Wittenberg machten, gereiztund verletzt. In Unmuth verließ er sogar diese ihm sonst so werthe Stadt, und zog nach ei-
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