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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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nem kleinen Meierhofe, den er in Zeulsdorfbei Borna besaß, von wo aus er seiner Frau schreibt;Ich will also umherschweifen und eher das Bettelbrod essen, als ich meine armen letzten Tagemit dem unordentlichen Wesen zu Wirtenberg martern und verunruhigerr will, mit Verlust mei-ner sauren Arbeit." Den dringlichen Einladungen, die er von Wittcnberg erhielt, gab er indeßbald wieder nach und kehrte dahin zurück. Nur kurze Zeit verweilte er hier; die Grafen von Mansfeld , die sich untereinander in Streit befanden, beriefen ihn zum Schiedsrichter. So hin-fällig sich Luther fühlte, so folgte er doch gern diesem Rufe nach seiner Jugendheimath, er thates nicht ohne das Vorgefühl, daß dort, wo seine Wiege stand, auch seine Bahre stehen werde.Nach Eislebcn begleiteten ihn seine drei Söhne, Hans, Martin und Paul. Der Weg führteüber Halle, und, da die Saale sehr angeschwollen war, mußte man hier einige Tage verweilen.Luther fand gute Aufnahme bei seinem alten Freunde, demv. Ionas, dem er zum Angedenkenein Trinkglas verehrte, worauf er diesen Vers hatte schreiben lassen;

Dem alten Doctor Jonas

Bringt Doctor Luther ein schön Glas.

Das lehrt sie alle beyde fein,

Daß sie zerbrechliche Glaser seyn."

Die Grafen von Mansfeld ritten Luther « mit stattlichem Geleit von 113 zu Pferd bis andie Grenze ihres Landes entgegen. Krank und von der Reise angegriffen kam Luther den 28.Januar in Eisleben an; doch ermunterten seine Lebensgeister sich noch einmal, er erfüllte denWunsch der Grafen, schlichtete den Streit und vrem'ge» vier Sonntage nach einander in derKirche zn Dir lryren Worte die er öffentlich vor der Gemeinde sprach, können uns,

als das gedrängteste Bekenntniß seiner Lehre und seines Lebens gelten.Der liebe Gott gebeGnade, daß wir sein theures Wort mit Danksagung annehmen, in Erkenntniß und Glauben sei-nes Sohnes, unsers Herrn Jesu Christi , zunehmen und wachsen und im Bekenntniß seines seli-gen Worts beständiglich bleiben bis ans Ende."

Auch auf dem schmerzhaften Krankenlager erhielt er sich seinen frohen Muth, und selbstder besorgten Gattin schrieb er heiter und getrost.

Mehrere Arbeiten vollendete der zum Tod kranke Luther auf diesem Lager, von dem er nichtwieder erstehen sollte; am 17. Februar iZ46 schloß er die Augen für immer, und ein Berichtfeines Freundes, des v. Jonas, kann uns davon überzeugen, daß in den letzten Stunden seinGeist die frühere kindliche Muhe, wieder gewann und er im Frieden einschlief.