44
Jerusalem ; denn er sah hernach wohl ein, daß in den Klöstern und Kapellen an dem Jordanweniger die Heimath des Heilandes und des Heils sei, als in seiner Schloß-Kirche zu Wirten,borg, wo Doctor Martin ihm Gottes Wort predigte. —
Der Kurfürst trat die Reise 1493 <m,. in seinem Gefolge befanden sich viel edle Ritter undHerrn, doch auch die Kunst und die Wissenschaft war in seinem Geleit, denn Lucas Kranach, derberühmte Maler, und D. Pollich, der später als erster Rektor der Universität Wittenberg er-wähnt werden wird, zogen mit ihm. Der Weg führte über Weimar , Coburg , Nürnberg , Jngol-stadt, Inspruck, Bozcn, Mantua , Bologna , Florenz , nach Rom . Von Italien , wo man die Rosseverkaufte, wurde für die Hin- und Rückreise ein Schiff für 4ooo Dukaten bedungen. Auf Can-dia, Rhodus und Cypcrn hielt der Kurfürst kurze Rast, und am 9. Juli betrat der Zug die Küstedes heiligen Landes. Auf Eseln hielt der Kurfürst den 20. Juli mit seinem Gefolge feierlichenEinzug in Jernsalcm. Alle die berühmten heiligen Orte, der Berg Zion, der Teich Bethesta, derBach Kidron, der Oclberg, Gethsemane , Bethlehem , das heilige Grab und noch viele geweihteStätten wurden besucht.
Auf der Heimreise wurde der Kurfürst einige Zeit lang Uns der Insel Candia durch ein hef-tiges Fieber festgehalten, sein getreuer. Leibarzt, D. Polichius von Mellerstadt, sorgte für ihn mitKunst und Pflege. — Neun Monate hatte der Kurfürst im Auslande zugebracht, er wurde den3. December 1443 mit großem Jubel in Dresden empfangen. —
Das Andenken an seine Wallfahrt suchte er durch Aufstellung vieler Heiligen Gebeine inder Collegiatkirche zu Wittenberg zu erhalten. Zu dieser Kirche wurden jedoch nicht nach gleich-gültiger Wahl «««■ ttnwfffinbc ‘putfUi junt weessclesen gerufen, „die Thumhcrren mußten nichtsgeringeres als Doctores und Magistri seyn."
Diese gelehrten Umgebungen und die Freude, die im Allgemeinen sich in Deutschland an derWissenschaft zu regen anfing, waren Veranlassung zur Errichtung der Universität im Jahr 1502.Zwar schien dem Kurfürsten Wittenberg durchaus nicht der Ort zu sein, wo eine Universität auf-blühen könne, indessen gab er dem Vorschlage seines gelehrten v. Pollich, den er zum erstenRektor ernannse, und dem General-Vikar Staupitz endlich nach.
Der Kurfürst beschenkte gleich zu Anfang die Universität sehr freigebig und räumte ihr eingroßes Kollegium in der Kirche aller Heiligen ein.
In weltlichen Händeln hatte der Kurfürst nicht mindere Erfahrung; es wurde ihm wahrendder.Abwesenheit Kaiser Maximilians in Italien das Reichsvikariat aufgetragen und ihm dieStatthalterschaft des Reichsregimcnts anvertraut. Unter so mancher guten Einrichtung, wodurcher sich für das gemeine Wesen thätig erwies,, war diese nicht die geringste, daß er in der Kanz-lei des Reichskammergerichts zu Speycr alle Verhandlungen in deutscher Sprache zu führenbefahl; denn er war davon überzeugt, daß das Recht sowohl, wie Gottes Wort, dem Volke nichtmüsse in fremder Zunge gegeben werden.
Trotz der unter seinen Augen begonnenen Reformation sehen wir Friedrich den Weisen dochnoch immer in manchem Jrrsal der katholischen Kirche befangen. So lag der Kurfürst einst nochHadrian VI. an, daß er einen Grafen Benno von Waldcnburg, der angeblich in dem Jahre