Buch 
Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
Entstehung
Seite
45
JPEG-Download
 

Hos viel Wunder' gethan, heilig sprechen möchte; die Canonifttion des heiligen Benno geschah1523 und war von Seiten des römischen Hofes nur eine Gefälligkeit gegen den Kurfürsten, denman in Rom sich gern wieder geneigt machen wollte. Schon- hatte damals die Kirchenspaltungbegonnen, der Traum des Kurfürsten, der Luthern , noch vordem Anschlag der ss Sätze, mitgrober Schrift an die Schloßkirche in Wittenberg mit einer Feder schreiben sah, die bis nachRom reichte^ und die drc.,ache Krone vom Haupte des Papstes rückte, war zum Theil schoneingetroffen. Mit Mäßigung, jedoch mit Beharrlichkeit/ nahm sich Friedrich überall Luthers an,uns auf die wiederholt an ihn von Leo X. gerichtete Aufforderung, ihn des Landes zu verwegen,antwortete er:v. Luther sey noch keines Irrthums überwiesen, sondern bereit, die Wahrheit sei'ner Lehrsätze, von denen der Kurfürst nur wußte, daß sie sich zunächst auf den Ablaß bezögen,an jedem sicheren Orte öffentlich zu beweisen. Standhaft wies er die Drohung, die chm wegendes Unfriedens mit dem Papste gemacht wurde, zurück:Ist der Papst Gott , war seme Ant-wort, so begehre ich seine Lehre zu befördern, und habe mich also für ihm nicht zu fürchten. Ister nnr cim bloßer Mensch, so habe ich Hcrtzens genug, mich gegen ihn zu wehren. Ist er aberder Widersacher Gottes, so achte ich seiner Feindschaft nichts, sondern verlange vielmehr dieselbe,well ich Christi Freund nicht seyn kann, wenn ich ihn nicht zum Feinde habe. Will er Kr.egführen, so habe ich Christum auf meiner Seiten, weil ich durch Leben oder Sterben die Herr ikeil Gottes preisen werde." Selbst die goldene Rose, die der Papst dem Kurfürsten durchfeinen Kämmerer Karl von Milti'z, übersendete, konnte feinen geraden Sinn von Luther nicht ab-wendig machen. Denn Luthers entschlossene Antwort, daß er nicht eher feine Lehre widerrufenwürde, bis man ihn aus der heiligen Schrift eines Irrthums überführt hatte, und die dreisteBehauptung, daß der Papst dem Irrthume unterworfen sei, gewannen den Kurfürsten so sehr fürihn, daß selbst der Bann, den der Papst Über Luthern (imo) und über jeden, der mit ihm umgehenwerde, ausfprach, ihn wenig kümmerte. Nach Worms zn dem Reichstage verschaffte ihm der Kur-fürst sicheres kaiserliches Geleit, und da er es hier nicht abwehren konnte, daß Luther im Namendes Kaisers in Bann und Acht erklärt wurde, sorgte der Kurfürst auf die schicklichste Weift da-durch für ihn, daß er ihn auf die-Wartburg in Gewahrsam bringen ließ. Wie ohnmächtig da-mals schon der Bann des Papstes und die Acht des Kaisers waren, geht daraus hervor daßweder das geistliche noch das weltliche Oberhaupt der Christenheit den Kurfürsten zwingen konn-ten, Luthern den Schutz aufzukündigen, ja nicht einmal dieses konnte der Nürnberger Reichstagvon dem Kurfürsten erreichen, daß er Luthern Stillschweigen aufgelegt hatte.

Nach dem Ableben Kaiser Maximilians I. (12. Jan. 1519) erfolgte ein -imonatliches In-terregnum. Zwei hohe Hanpter bewarben sich um die Krone mit großen Summen: Franz k-,König von Frankreich und Carl V., König von Spanien . Die Wahl begann den 17. Juni 1519in der Bartholomaus-Kirche zu Frankfurt , und das schönste Zeugniß, in welchem Änsehn derKurfürst bei dem Kurfürstencollegium stand, war wohl dieses, daß die geistlichen und weltlichenFürsten die großen Summen, die sie von Franz I. und Carl V. erhalten, stillschweigend einsteck-ten, und die Krone Friedrich von Sachsen antrugen. Friedrich wicß diese Ehre von sich, da erwohl wußte, wie wenig Ruhm mit diesem Schmuck für einen Fürsten verbunden seyn mußte.