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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
Entstehung
Seite
51
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Nach dem Tode seines Bruders, der ohne Erben starb, trat er, wie es die in der goldenen Bulleertheilten Privilegien bestimmen, die Regierung an. Schon auf dem Reichstage zu Worms hatteJohann sich für Luther erklärt, doch galt er damals jm Allgemeinen für einen nicht so zuverläs-sigen Verehrer desselben, als Friedrich der Weise.

Wir finden ihn kurz nach dem Antritt der Regierung in dem Feldjug wider die aufgeregtenDauern, die die von den Reformatoren gepredigte christliche Freiheit sogleich auch auf die Be-freiung von weltlichen Diensten und andern drückenden Lasten angewendet wissen wollten. Luther selbst ermähnt die Dauern sich wohl vorzusehen, ob sie ihre Sache mit gutem Gewissen und Rechtvorgenommen hätten;denn, schreibt er, ich befürchte sehr, daß einige der wilden Rottengeisterund Mondprophetcn, die vor Kurzen aufgestanden, Eure Einfalt gemißbraucht, und Euch zum Auf-ruhr verleitet haben, um durch Euch Herren der Welt zu werden. Euer Aufruhr ist göttlichenund menschlichen Gesetzen entgegen; daß die Obrigkeit böse und ungerecht ist, kann keine Rotti-rung noch Aufruhr entschuldigen; wahre Christen dürfen sich nicht der Obrigkeit widerfetzen;wo hat solch eine Rvttercy ein gutes Ende genommen? Wer Eure Artikel aufgesetzet, ist keinfrommer, redlicher Mann; er will Euch nur verführen, verhetzen und in Gefahr stürzen." Dadie Bauern auf diese Ermahnung nicht achteten, sondern in ihren Allsschweifungen bis zur zügel-losesten Wuth fortfuhren, ward Luthers Unwillen auf das heftigste rege. Er ließ eine äußerstharteSchrift wider die mörderischen und räuberischen Bauern" ausgehen, worin er alle Obrig-keiten auffordert, die treulosen, meineidigen, ungehorsamen und aufrührerischen Bauern zu strafen,und mit dem Schwerdt unter sie zu schlagen, so lange sie den Arm noch regen, auch allen Men-schen zur Pflicht macht, wider sie aufzustehen und sie wie rasende Hunde todt zu schlagen, mitder Versicherung, daß niemand einen scelgernTod sterben könne, als der wider sie im Streit um-käme.

Mit dem Vertrauen und der Zuversicht, welche Johann in keiner Fährlichkeit verließ, zog erauch in diesen Krieg und schrieb noch zuvor an Luther :Gott hat mich zu einem Fürsten gemacht,daß auch ich mit vielen Pferden reiten kann: Will er mich also nicht bleiben lassen, will ich gernmit vieren, ja nur mit zweien reiten. Will er mich schützen; so kaun mich niemand überwältigen,wo nicht, so kann ich auch wohl ein schlechter Mann seyn." In den eignen Landen dergleichenUnruhen zu verhindern, ließ er seinen Unterthanenalles Gewehr, Harnisch, Büchsen, Spieße,Hellebarden und dergleichen mehr nehmen, so daß keiner, bei Verlierung Leibes und Gutes, inzeiner Behausung mehr nicht, denn eine Axt und ein Beil haben, und wenn er über Feld wanderte,ein weißes Stablein eines Daumens dick, und ein Brodmesser ohne Spitze tragen durfte. Undwo einer als Verächter dieses Gebotes angetroffen würde, den hatte ein jeder, der sein Herr undmächtig werden konnte, ohne alle Straft, Macht zu entleiben und umzubringen." Das von sei-nem Bruder zögernd begonnene und behutsam geführte Reformationswerk führte er rasch fort.Er unterhandelte darüber viel mit Luther , gebot jetzt überall im Lande die Messe in deutscherSprache zu lesen und ordnete strenge Kirchen-Visitationen an. Der Landgraf Philipp von Hessen,und der Markgraf Georg von Brandenburg traten mit ihm in nähere Verbindung, und mit demletzteren wurde, bei einer Zusammenkunft in Torgau , schon ein Entwurf niedergeschrieben, der für