eme vorgängige Einleitung zu spateren Verbindungen gelten kann; „Es sollte, heißet es darinnen,der Predigt des Evangelii ein freier Lauf in ihren Landen gelassen, und nach dessen Vorschriftauch Leben und Wandel, sowohl von ihnen selbst als ihren Unterthanen eingerichtet werden. AnKaiserliche Majestät wollten sie entweder eine Gesandtschaft abgehen lassen, oder schriftliche Vor-stellung thun, und die Anschläge ihrer Feinde zu hintertreiben suchen, die damit umgingen, sie anLeib, Gut und Landen zu beschädigen. Die Lehre Luthers wollten sie sich weiter nicht annehmen,als so fern sie in Gottes Wort gegründet, denn hierauf stufften sie sich und nicht auf die Per-son oder Meinung eines Menschen, es möchte Luther seyn oder ein anderer; weil alle Menschenirren könnten. Und folglich wollten sie auch nur allein aus und nach der Schrift richten und' sich richten lassen. Vor allen sollte auch mit dem Landgrafen und anderen berathschlaget undzugleich wegen eines Concilii das Nöthige überlegt werden." In gleichem Sinn legte er mit an-deren Fürsten auf dem Reichstage zu Speier (1529) eine Protestation gegen das harte Gebot ein,welches gegen die Bekenner der lutherischen Lehre erlassen wurde, und gab so die Veranlassungzu dem Namen Protestanten. Von hier aus gab er seinem ältesten Sohn Johann Friedrich treueNachricht von allem was vorging, nnd diese Briefe sind das schönste Zeugniß mit welchem Ver-trauen der Vater darauf rechnete, daß der Sohn dem Evangelium getreu bleiben werde. „Essind, schreibt er vom 21. März, viele geistliche Fürsten zugegen, die sich mit aller Macht widerdas Evangelium setzen, doch mangelt es auch an Liebhabern desselben nicht gänzlich. Es ist einEdikt publieirt worden, daß niemand in die Predigten gehen soll, die ich halten lasse, darauf wirdaber nicht geachtet, denn am Sonntag Palmarum sind sowohl Vor - als Nachmittags bei soooMenschen in beiden Die katholischen Stande vertreiben sich die Zeit mit
Würfeln und Kartenspiel. Die Kurfürsten zu Mainz und Trier aber sind mit bewaffneter Handeingezogen. Ich aber verlasse mich auf den Landfrieden und führe derhalben keinen Harnisch."Da es dem Papst und dem katholischen Clerus nie Ernst mit einem allgemeinen Concilium schien,so versuchte Kaiser Karl der V. mit redlicherem Willen auf allgemeinen Reichstagen den Streit,wenn nicht zu schlichten, doch zu beschwichtigen. Große Erwartungen hegte man von dem aufden 8. April, ausgeschriebenen Reichstag in Augsburg . Der Kurfürst trug, sobald er das Aus-schreiben erhielt, sogleich seinen Theologen auf, ihre Meinung in einem Aufsätze niederzuschreiben;„denn es schien ihm als könne der Reichstag zu Augsburg für ein Concilium oder National-Versammlung gelten." Luther war hierzu sogleich bereit und legte dem Kurfürsten einen Ent-wurf in 17 Artikeln vor, worinnen Glaube, Lehre und Gebrauch der evangelischen Kirche kurzund bündig zusimmcngefaßt war. Als die Theologen den Kurfürsten anlagen, er möge sich nichtnach Augsburg begeben, wo ihm soviel Feind wären, sagte er: „da sey der liebe Gott vor, daßich aus Euren Mittel ausgeschlossen seyn sollte. Ich will mit Euch meinen Herrn Christum be-kennen." Er begehrte noch vor seiner Abreise, daß Luther ihm eine Predigt über Mathäi10, 32. 33. halte: wer mich bekennt vor den Menschen, den will ich wieder bekennen vor meinemhimmlischen Vater, wer mich aber verleugnet vor den Menschen, den will ich wieder verleugnenvor meinem himmlischen Vater. Am 3. April reißte er von Torgau ab. In seinem Gefolge be-fanden sich der Prinz Johann Friedrich , der Herzog von Lüneburg , Fürst Wolfgang von Anhalt ,