Graf Albrecht von Mansfeld und 70 sächsische Edelleute, so baß der Zug nebst der Dienerschaft160 Pferde stark war. Von den Theologen begleiteten ihn Luther, Justus Jonas, Melanchthon und Spalatin. Johann Agricola war von dem Grafen von Mansfeld gerufen worden. Umnicht zu großes Aergerniß zu geben, blieb Luther in Eoburg zurück, doch unterhielt er mit ihmeinen ununterbrochenen Briefwechsel. Der Kurfürst ließ sowohl unterweges als in Augsburg seine Theologen öffentlich predigen, ohne eine besondere Erlaubniß deshalb nachgesucht zu haben.Da der Kaiser mit seiner Ankunft zögerte, arbeiteten die evangelischen Stande unterdessen fleißig,und der Kurfürst schickte Luthern ein Exemplar der von Melanchthon und andern bearbeitetenaugsburgischen Confession zum Gutachten nach Coburg . Erst am 15>. Juni gegen Abend traf derKaiser in Augsburg ein. Der Kurfürst verwaltete fein Amt als Erzmarschall und trug demKaiser das Schwerdt vor. Schon hier aber erkannte Carl, wessen er sich von den Evangeli-schen zu versehen habe, denn da der päpstliche Nuntius Laurentius Pampcjus seinen geistlichenGruß oder Segen sprach, und der Kasier, König Ferdinand und die katholischen Kurfürsten nie-derfielen und den Segen, welchen der Nuntius vom Esel herab über freisprach, kniecnd empfien-gen, so blieben der Kurfürst und die übrigen evangelischen Stande mit bedecktem Haupte auf-recht stehen. Am andern Lage lverlangte der Kaiser, daß die Evangelischen der Prozession desFrohnleichnamsfcsies beiwohnen, und ihre Prediger ferner nicht auftreten lassen sollten. DasErste verweigerten sie unbedingt, dem Zweiten gaben sie dann erst nach, als der Kaiser den Ka-tholischen ebenfalls befahl, ihren Predigern gegenwärtig die Kanzel zu verbieten. Der Kaiserselbst behielt sich vor, einigen Predigern, deren Mäßigung er kannte, die Kanzel betreten zu lassen.Mit allem Eifer drang der Kurfürst darauf, daß zuvorderst die Rcligionsangelegcnheit vorge-nommen würde. So sehr auch die Papisten eine öffentliche Verhandlung darüber zu verhindernsuchten, so gewann dennoch die Standhaftigkeit unseres Kurfürsten von dem Kaiser die aller-dings sehr hochzuachtende Vergünstigung, die Apologie des evangelischen Glaubens, wie sie Me-lanchthon aufgesetzt hatte, durch den Kanzler Bcyer am 25. Juni vor der Rcichsvcrsammlung,.und zwar in deutscher Sprache, vorlesen lassen zu dürfen. Denn als zuerst der Kaiser die Vor-lesung in lateinischer Sprache verlangte, cntgegucte ihm der Kurfürst: „Wir stehen hier auf deut-schem Grund und Boden und hoffen also auch, Ew. Majestät werden uns hier die deutsche Spra-che erlauben." Der I). Bcyer las nun das GlaubensbÄkenntniß mit so volltönender Stimme,daß es nicht nur die zahlreiche Versammlung im Saale, sondern auch die im Schloßhvfe versam-melte Menge vernehmen konnte. Der Kanzler .Pontanus übergab dem Kaiser die lateinische Ur-kunde mit den Worts» r „Allergnädigster Kaiser, das ist ein solches Bekenntniß, welches mit gött-licher Hülfe auch wider die Höllenpforten bestehen kann."- Dem Kurfürsten zeigte sich jedoch derKaiser wenig freundlich, er verweigerte ihm die Belchnung über Kurfachfen und die Bestätigungüber die Jülichsche Erbschaft. Schon am ersten Abend des Einzuges bezeugte er ihm seine Un-gnade. emem alten Manuscript, welches von einem.Mainzer aufgezeichnet sein mag, findetsich folgendes erzählt: „Als nun Kaiserliche Majestät ins Palladium kamen und die Kurfürsten,Fürsten und Herren stunden in ihrer Ordnung, da gab Kaiserliche Majestät allen Kurfürsten, Für sten und Bischöfen die Hand, und fast zuletzt kamen Ihre Kaiserliche Majestät zum Kurfürsten
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Buch
Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
Entstehung
Seite
53
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