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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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64
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begehren; so sperrt er sich mit dem Mzigeu wahren Worte, er sey von Ew. K. En. bestellt mndbesoldet auf die griechische Lcction, die müsse er warten und möge fie nicht lassen. Ist derhalbeumein von aller wegen mttcrthanigcs Bitten, Ew. K. Gn. wollten darein sehen, cher liebenIngendzn gut und zu mehrerer Förderung des Evangclii, ob's zu thmr wäre, daß ihm solcher Sold aufdie heilige Schrift zn lesen gedeutet würde; sintemal viel junger Leute da find, die griechischeLcction ausbundig versehen mögen, und nicht -fein ist, daß er immer mit der kindischen Leetionumgehe, und eine bessere nachlasse, da er viel Frucht schaffen kann, und die rnit keinemGelde noch Solde mag -verlohnet werden. Wollte Gott , wir hatten deren mehr, die si> lesenkönnten; deren ist sonst leider genug, die da schwärmen; und mögen wshl der Zeit und Lentebrauchen, weil sie da sind von Gottes Gnaden; es wird doch die Zeit kommen, wie zuvor gewe-sen, da man's muß-nachlassen, solcher Leute Mangels halben. Darum hier einzusehen ist, daßwir Leute aufziehen und das Unsere thun für unsere Nachkommen. Wo nun Ew. K. Gn. solchesgeliebt zu verschaffen, bitte ich, wollet dasselbe dem genannten Philipp mit Ernst einbinden, derSchrift mit Fleiß zn warten, und sollte man ihm auch noch mehr Soldes geben. Ew. K. G«.

seyen in Gottes Barmherzigkeit befohlen. 3** Wittenberg -om Mittwoch nad) Palmarum 1524^"

Die Würde eines Doktoren der Theologie nahm Melanchthon nicht an, um dadurch .sich nichtverbindlich zu machen, vielleicht auch mehr noch aus Bescheidenheit; Luther erkaunte in ihm -je-doch immer seinen gelehrtesten und treuesten Gehülfen, den er besonders auch als den Lehrer -derwahren Philosophie hochachtete *). Wenn wir aber durch dieses Bormtheil Luthers verleitetwerden könnten, zn glauben, daß zu jener Zeit die Philosophie, wie sie nach scholastischer Tradi-tion in Ävirrenverg gelcyrr wurve, vcsvnoere Gemeinschaft mit der Reformation, .»der großenEiijfluß aufdieselbe gehabt hatte, so überzeugen wir uns bald durch pie' Einsicht in die philoso-phischen Schriften Melanchthons, daß auch er noch in Er Beschränktheit des alten Schulzwan-ges gehalten wurde, und weder seine Philosophie, noch sein Studium der griechischen Classtkerkonnten ihn aus den Fesseln des Aberglaubens, m welchen er so wie sein ganzes Zeitalter besän-gen war, befreien. Schon aber das war großes Verdienst, das Studium der Philosophie wiederaufzuwecken, obwohl feine Schule, die Philippistcü, bald darauf durch die Ramistcn verdrängtwurde **).

Nahm Melanchthon auch die theologische Doktorwürde nicht an, so hat er sich doch Durchseineloci communes, die als das erste Lehrbuch einer christlichen Dogmatik angesehen werdenkönnen, um das Christenthum als Wissenschaft großes Verdienst erworben. Wollte man aber

*} Qui Philippum uon agnoscit Praeceptorem, sagt Luther , der muß ein rechter Esel und Bacchant?seyn, de» der Dunkel gebissen hat. Quiihpod scimus in ar-tibus et iu vera philosophia illud debe-mus Philipp». Er ist wohl nur Magister, ist aber auch wohl ein Doctoft,über alle Docloren. Esist auf Lrden keiner, den die Sonne bescheint^ der solche clonahaite, al« Philippus. Darum laßtuns de» Mann grob, achten. Wer ihn -verachtet, der muß ein verachteter Mensch vor Go« seyn.

-**) Petrus Ramus war der erste , der gegen die Beschränktheit der scholastischen Phslosyphje auftrat unddarauf drang:daß Aristoteles ! nicht nach dem Buchstaben sondern nach dem Geiste ausgelegt wer,den müsse." Er kam »56g aus Paris nach Deutschland .