fnn auch Bürget und Mönche elnfanden. Der Raun, ward zu diesen Vortragen bald hier zu be-schrankt, die Theilnchmer mehrten sich/ und von den Freunden eben so sehr, wie von der eigenenNeigung aufgefordert, ließ sich Dugenhagcn zum Priester weihen, um öffentlich in den Kirchenauftreten zu können. Mit den Schriften Luthcr's, die sehr bald bis zu den Küsten der Ostsee kamen- wurde Bugenhagen durch einen alteren Geistlichen in Treptow, Otto Slutow, bekannt.Auch hier zeigte sich unser Bugenhagen als selbststandig; nicht der vorgefaßten Meinung andererblindlings huldigend, galt ihm nur die lleberzeugung als wahr, die er durch eigenes Denkenund Prüfen sich erwarb. Als sein Freund ihm aus Lnther's Schrift „von der BabylonischenGefangenschaft" mit großer Theilnahme vorlas, war Bugenhagen erstaunt über den verwegenenWirtenberger Mönch, und.im ersten Unwillen rief er aus: „Einen ärgeren Ketzer gab es noch nie-mals in der Kirche!" Er nahm indeß die Schrift mit sich nach .Haus und nunmehr erkannte erbald, daß Luther ihm auf der Bahn, die er selbst zu betreten begann, schon weit voraus geschrit-ten sei. Er bekannte sich fetzt in seinen Predigten zu Lnther's Lehren, mehrere Geistliche und'sogar Pramonstratenser Mönche des Klosters Belbuch *) erklärten sich unter ihrem Abte Bolde-wan ebenfalls für Luther . Der Bischof von Camin war indeß sehr unzufrieden mit diesen Neue-rungen, und obwohl Herzog Bogislav X. seinen jüngsten Sohn Barnim (i 5 i 8 bis 1520) in Wik-tenberg studiren ließ und Luthern selbst besucht hatte **), konnte er dem Reformator nicht dennöthigen Schutz gewähren; Bugenhagen ging 1521 nach Wittenberg , wo er Luthern noch vorseiner Abreise nach Worms kennen kernte, hernach aber mit ihm in engster und vertrautesterFreundschaft lebte ***). Für Bugenhagen öffnete ^sich derselbe Wirkungskreis in Wittenberg , inwelchem Luther so thätig war, denn er ward Professor an der Universität, Pastor an der Stadt-Pfarrkirche und spater Generalsuperintendent des Kurkreises . Als solchem wurden ihm zur Ein-führung der neuen Lehre die ^ersten Kirchen- und Schulvisitafionen in Sachsen aufgetragen.Zu den Versammlungen, in welchen man die Torgauer Artikel und die Augsburgische Konfessionentwarf, wurde Bugenhagen hinzugezogen und der Vergleich der Wittenberger Theologen mitBucer , Capito, Lycosthenes , Musculus und Frecht, die als Bevollmächtigte der vier ReichsstädteStraßburg , Cosinitz, Lindau und Memmingen (1536) nach Wittenberg kamen, wurde vornehmlichdurch Bugenhagen vermittelt. — Schon früher hatte sich Bugenhagen nah und fern gele-genen Städten, wo die Lehre des Evangeliums gute Aufnahme gefunden oder noch imKampfe lag, großen Ruf erworben, und von vielen Orten verlangte man ihn. Zuerst wen-dete sich die Stadt Danzig , wo schon seit 1522 , wie sehr auch König Sigismund vonPolen die Stadt bedrohete, die Reformation begonnen hatte, .an Luther und bat, daß erihnen den v. Bugenhagen senden möge. Luther antwortete der Stadt (Tags vor Jubilate1525): „Auf Euer schriftliches Begehren habe ich meinen Fleis gethan, um einen geschick-ten Prediger Euch zu bestellen. Nun hat es nicht seyn wollen, daß Hr. Johann Bugenhagen ,
*) Sonderbarer Weise war die« Alofter nach dem guten Go« der Slaven Bialbog genannt.
*") Kantzoiv'r Pom Chronik II, 346. z >6.
'■***) Bugenhagen «rauie jh„ mit Katharina von Bora , und hielt ihm, als er in Wittenberg beigesetzt wur«dr, diekeichenpredig«. Luther übernahm oft während der Abwesenheit Bugenhagen'« dessen Amwgeichäfte.
so *3