A.
Denkmäler d e r Baukunst.
Ä?ie fest der Baumeister auch Thurm und Mauer aufführt, als sollte sein Bau für undenklicheZeiten bestehen, so sind es doch gerade die Werke der Baukunst, die wir im Allgemeinen, undzumal hier in Wittenberg , wenn auch nicht ganz zerstört, doch bis zur Unkenntlichkeit verändertfinden, während Bilder und mehr noch Bildwerke von Stein und Erz sich in ursprünglicherGestalt und Schönheit erhalten haben. Vorsichtig legt der Baumeister fies unten auf den Grund-stein die Nachricht von sich und von der Zeit, in welcher er gebaut; nur diese tief gegrabeneStatte weiß er gesichert, wogegen die Bildhauer und Maler mit leichterem Vertrauen ihreNamenszüge und das Jahr der Vollendung auf ihre Werke selbst setzen. Es fehlen uns Häherüber die Gründung und über die Meister hex Bauwerke zuverlässige und bestimmte Nachrichten ■,denn wie sehr auch Wind und Wetter, die Wellen des Stroms, der Blitzstrahl, hei feindlicherBelagerung Bomben und Granaten, bei der Erstürmung Feuer und Schwert diese Gebäude ver-letzten und verwüsteten, — so tief, daß die Grundsteine mit ihren Inschriften aus der Grab-höhle heraufgewühlt worden waren, haben weder die Elemente noch Menschenhand gereicht. —
Die Gebäude von denen wir einige Angedenken in unserer Sammlung der Wittenberger Denkmäler aufglommen haben, sind: die Schloßkirche, die Stadtkirche und Luthers Wohnung. — Als den würdigsten Eingang zu einer Sammlung von Denkma^rn, heren hö-herer Werth nicht in dem, was sie als Kunstwerke sind, sondern in ihrer Bedeutung liegen dürfte,haben wir jene berühmt gewordene Thür her Schloßkirche genommen, an welche Luther seine95 Sätze gegen Tetzel anschlug; jenen Tag feiert die evangelische Kirche als den Tag der Grün-dung und Eröffnung der Reformation, und so mag das Bild jener Thür (No. i. a.) unsereSammlung am schicklichsten eröffnen.
Bevor wir jedoch über die Schloßkirche Nachricht geben, theilen wir einen kurzen Berichtüber das Schloß und die Hofburg, zu -er sie unmittelbar gehörte, mit.
Das S ch l o ß.
Das gegenwärtige Schloß, an der Abendfeite der Stadt gelegen, neben dem nach ihm be-nannten Thore, durch welches die Straße nach Berlin führt, wurde von Friedrich dem Weise»
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