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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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in den Jahren i 49 v bis 1499 *) erbauet und mit den zwei noch vorhandenen runden Thürmenversehen, wozu die Baumaterialien theils aus der früher abgebrochenen Burg, theils aus demwüsten Schlosse des nahen Städtchens Zahna genommen worden sein sollen **). Residcnzschloßwurde Wittenberg schon ii8v ***), oder wenigstens 1227. Das Schloß erhebt sich über die au--ßercn Felder und Ufer der Elbe, und wie die hohen Mauern und ragenden Thürme sich aus derFerne schon dem Wanderer als die feste Burg der Stadt Luthers ankündigen, so hat man auchvon den Zinnen derselben eine weit eröffnete Aussicht über die Stadt, die Elbaue und hinübernach den Hügeln der Saale . Die schön verzierten gothischen Spitzen f) der beiden Thürmewurden von Johann Friedrich wegen der bevorstehenden Belagerung (1546) abgetragen, und erst1558 kamen andere an ihre Stelle, die wieder in der Belagerung wahrend des siebenjährigenKrieges, den 14. October 1760, vernichtet wurden, worauf bei der Belagerung I 6 l 3 eine Brand-rakete den nördlichen Thurm an der Kirche zündete, so daß er in sich stürzte und die Glockenschmolzen. Seit 1819 ist das ganze Schloß zu einer Citadelle, mit bombenfester Dachung ausge-baut worden, und das Innere nach dem neuen Bedürfnisse umgestaltet. Im Schloßhofe bemerktman noch die Spuren früherer fürstlicher Pracht in der zum Theil unversehrt erhaltenen sächsi-schen Wappenreihe in Relief über dem gewölbten Portale. Die zweite nach Süden gewendete

Fa^ade enthält die jetzige Kaserne, und das frühere nach dem siebenjährigen Kriege neu erbauteAmthans, welches oberhalb der Schloßkirche mit einer Seite auf der Schloßgasse fortlauft, istjetzt theils Lazareth, theils Commandantur. So leicht man geneigt sein dürfte, die jetzige Um-gestaltung eines so ehrwürdigen Gebäudes zu beklagen, so haben wir gerade darin die hohe Un-cigcnnützigkcit des Königs anzuerkennen, der die fürstlichen Schlösser in den neu erworbenen Lan-dern, wenn niche defonverer RUnflwcrth ihre Erhaltung wünschenswerth machte, zu öffentlichenGebäuden für den Staatsdienst bestimmt hat.

Die Schloßkirche.

Der Ursprung dieses Gebäudes verliert sich in unbekannte Zeit, und über die Erbauung derkleinen Kapelle, welche ehedem an der jetzigen Stelle ganz gewiß gestanden hak, haben dir Ge-schichtschreiber sich nicht vereinigen können tt). Indeß hat Faber aus den vorhandenen Urkun-den ftt) mit ziemlicher Sicherheit erwiesen, daß Herzog Rudolph I., auf Bitten und aus dem

*) Faber p. 20. f.

**) Scnnert p. 7 . Bei Leopold S. 78. flehet durch einen Druckfehler 1480. Da« Schloßthor wurde* 5*8 vollendet, nachdem auch die Schloßkirche schon fland-

***) Ieibich G. io. wo man die nöthigen historischen Gemälde flndet.j-) Eine Abbildung davon sieht man im Cranachischen Holzschnitte von der Schloßkirche, welcher vor derZaigung de« HeiliKthum«" stehei, welche weiter »»lcn erwähnet wird (S. Hallen S. 3^5 ff.). Diespatere Gestalt ist aus dem Kupferstich bei Faber zu ersehen, so wie es einen von dem Aufbau nachdem 7>ahrigen Kriege giebt (in Gsokgi's Annal. Si 400). Die gegenwärtige Gestalt «rheller ausunserer Tiietvlgnette.

kk) Man sehe Faber S. 2 . Sennert S. >L>. LooltWmui. Chron, Anhalt. T. II, p. 45.ttt) Bei Meisner S. 7.