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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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der Zrmdat'on hiesiger Akademie," was wohl. aus mehreren Gründen umichtig sein dürste. An-dere, nicht st gut erhaltene 21 Tapeten, welche beim Fronleichnamsfest ausgehangcn worden, findin Rom . Ein anderes Exemplar derselben soll zu Mantua in der Kirche der heil. Barbara undim Dome sich befinden. Sechs davon befinden sich jetzt in Dresden *). Wie sie dahin gekom-men, ist ungewiß. Dasie aber noch von Faber i- I. 1730 als hier vorhanden geschildert wor-den, so kann man wohl mit einigem Grunde vermuthen, daß der Kurfürst und König August IL,der feine Kunstkenner, welcher den 25. Mai 1728 btt Schloßkirche mit seinem Besuche beehrte,sie sich nachbringen ließ. Die darauf dargestellten Gegenstände sind r a) Petrus und Johannesheilen einen Lahmen, Apostelgeschichte C. 3. b) Die Erblindung des Zauberers Elymas zu Pa-phos. Ebendaselbst XIII., 612. An dieser Tapete fehlt aber fast die Halste, c) Paulus undBarnabas zerreißen ihre Kleider. Ebend. XIV., 6is. ä) Paulus predigt auf dem Areopag.Ebcnd. XVII., 16 ff. e) Christus spricht zu Petrus : Weide meine Schaafe. Joh. XXI., is.f) Der wunderbare Fischzug. Joh. XXI., 3. **).

Noch verdient der Erwähnung die verlorene Reisetafel Friedrichs des Weisen, .bei Fab. Se201, wo auf 2 Flügeln desselben Weg rum beiligen Grabe mit allen besuchten Städten verzeich-net war.

Die Stadtkirche und die daneben befindliche Kapelle.

Stadtkirche hieß sie von jeher, weil sie der Stadt und Bürgerschaft gehört«, indem dieSchloßkirche des Kurfürsten Hofkirche war, und von ihm der Universität geschenkt wurde. Sieheißt <utd, Marienkirche «le.st.n Wrihung; woher .man noch von dem Portale der

Abendseite das Bild der Maria (No. 2) in Stein siehet. Pfarr- oder Parochi al-Kirchehieß sie zum Unterschiede der Stiftskirche und genoß die damit verbundenen Rechte. Das Jahrihrer Erbauung haben schon frühere Geschichtschreiber vergeblich mit Sicherheit zu bestimmensich bemühet. Charitius in seiner handschriftlichen Chronik Wittenbergs, setzt dasselbe auf 1182fest, und will dies besonders aus der Aehnlichkeit ihrer Bauart mit den niederlaudischen Kirchen

*) Nach Fiorillo Geschichte der Zeichnenkünste in Italien , Lh. r> S. 94 ff., ließ Papst keo X. vonRaphael »2 große Cartons verfertigen, die er nach Flandern schickte, wo sie in Arra« gewebt wur-den. Die Teppiche kosteten 70,000 Scudi. Sieben dieser Tapeten schenkte er Friedrich dem Weisen,fünf dem Wiener Hofe. Sieben der erwähnten Canons kamen in den Pallafi zu Hamptoncourl undbefinde» sich jetzt in Windsor, sie find mehrmals in Kupfer gestochen. Die beste Abbildung ist dievon Nie. Dorigiiy unter dem Titel: Viuacotlioca Hamptouiaua. S. Heineckens Nachr. von Äünfti»und Kunstsachen, Th. ll- S. 352. Die neueste Abbildung ist vonHalloway (jede 7; Elle hoch ).

-**) Durch Völliger (dem Dresden es verdank«, daß diese prächtigen Taperen, welche lange Zeit inden Porzellain > Gewölben des Japanischen Palais lagen, in den Kunfisalen auf der BrühlschenTerrasse aufgestellt wurden) wissen wir aus der Abendzeitung Jul.'igig, daß der Freiherr von Rackswiy, schon früher von. Casanova aufmerksam gemacht, in einer Unterredung mit dem Kardinal Alessan,dro Albani, WinkelmannS Gönner, im I. >790, als im Schlosse Pillnitz Vorbereitungen zum Em-pfange gemacht wurden, die köstlichen Arrazzi (so werden in Rom die Tapeten genannt vom Orte derVerfertigung) hervvrsuchre. Er fand sie in dem kläglichsten Zustande, das Ganze durch Schmutz undModer unkenntlich. Ihre Wiederherstellung bewirkte mit dem schönsten Erfolge Jos. Lechner.