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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Platze vor der Kirche *) durch den Haupteingang bemerkt man gleich links an der Wand Me-lanchthens Bild, und auf dem Fußboden daneben sein Grab mit der Metaüplatte; an der ent-gegenstehenden. Mauer, Luthers Bild und Grab. Eine einfache Metallplatte bezeichnet die heiligeRuhestätte des großen Reformators mit beifolgender einfachen Inschrift: MARTINI LUTHE-RI 8. Theologiae D. Corpus h. 1. s. e, qui an. Christi M. D. XLVI« XHI« Cal. MartiiEyslebii in Pairia 8. M. O. C. V. An. LXIIL M. II. D. X. **> Daneben war ehedem seineKanzel, dem großen Eingänge gegenüber. Neben Mclanchthons Bilde, an der Mauer entlang,waren ehedem die Kirchcnsitze der philosophischen Fakultät, gegenüber, neben Luthers Bilde, dieSitze der übrigen Fakultäten. An der Morgenseite ist der jetzt aus Stuck gefertigte hohe, mitder Kanzel versehene Altar, mit mehreren Säulen. Der ehemalige hatte Gemälde von Cranach .In der Mitte war, von Engeln umgeben, die Dreieinigkeit, so daß der Ausgang des Geistes vomDater und Sohne durch die bis zu beider Munde ausgebreiteten Flügelspitzrn angedeutet wurde.Auf der inneren Seite des rechten Flügels war. der H. Bartholomäus, und vor ihm Friedrichder Weise kniccnd, auf der äußeren der Heiland mit seinen Jüngern: auf der inneren Seite deslinken Flügels der heilige Jacobus und vor ihm Johann der Beständige knieend, auf der äußern,Maria mit zehn heiligen Jungfrauen. Neben dem Altare links auf der Mitternachtsseite istFriedrichs des Weisen ehernes und steinernes Bild, gegenüber rechts die Bilder Johanns desBeständigen. Unmittelbar vor dem Altare sind die unten ebendaselbst erwähnten Platten überden Gräbern der beiden großen Beförderer der Reformation.

Ehedem war noch hier ein Cranachischcs Bild von Luther , wie er predigend von der Kanzelmit der Rechten auf den Gekreuzigten zeigt, mit der Linken auf den Papst, der sammt seinenkardinalen in den offenen Rachen der Hölle hinabführt; auf demselben Bilde sah man dasAbendmahl in beiderlei Gestalt austheilen.

Ferner fand man sonst 3 Gemälde von Albert Dürer ; i) die Weisen aus Morgenland,2) ein Nachtstück, wie Christus verrathen wird, 3) Joseph und Maria. Ohne Namen werdenangeführt: 4) Christi Erscheinung, 5) Mariä Verkündigung, 6) die sieben Freuden und die siebenSchmerzen, 7) das Fegfeuer, 8) Adam und Eva, 9) Christus als Gärtner, von Luc. Cranachdem älteren, wird ausdrücklich angeführt: to) Maria und Elisabeth. Die Kirche hatte sonst3 Emporkirchen, von denen die beiden unteren aus Werkstücken bestanden, woran die sechszehnFamilienwappen des sächsischen Kurhauses in erhabener Arbeit aus Stein gehauen waren, viel-leicht wie man sie jetzt noch an der Hofseite des hiesigen Schlosses siehet.

Außerdem gab es eine Menge Reliquien, heilige Gefäße, Altartücher u. f. w., was jedochschon früh verloren ging. Gerettet wurden sieben große Teppiche, worauf biblische Geschichtengewirkt waren, und die nach Meisnck S. 129. ,,aus dem Schlosse Leipzig von dem Kurfürstenhierher geschenkt wurden," nach Faber S. 288.von Friedrich dem Weifen im ersten Jahre

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zum Thore hinaus erscheint dadurch sehr beschrankt.

**) Die Zeichnung davon flehe Tat». 1«