Buch 
Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
Entstehung
Seite
97
JPEG-Download
 

S 7

sten und Reformatoren, ein Bild Gustav Adolphs, ein in Metall gegrabenes Bild Luthers , einekünstliche Stickerei von einem Rathsherrn, so fein und sauber, wie wir sie kaum von Fraucn-händen sahen, und einige Trauerzüge auf langen Papierrollen mit Tuschfarben gemalt, die we-gen der Trachten jener Zeit für eine Theatergarderobe einigen Werth haben dürften.

Vier Bildnisse Luthers und einesvon M e l a n. ch t h o n»

[Tab. 9 .]

Von allen Bildern Luthers sind die von Lucas Cranach am weitesten verbreitet worden,theils durch ihn selbst, theils durch seine Schüler, Cranach d. Sohn, Bischer (von dem dasBild in der Kappelle zu Weimar ) u. a. Die Holzschnitte vor der Bibel und dem Katechismus,Kupferstiche von geringerem und größerem Werthe, Bilder auf Tassen, Pfeifenköpfen und Ta-backsdosen , alle tragen das Gepräge von Cranachs Bilde *). Durch diese vielfache Wiederho-lung so charakteristischer Züge hat sich das Bild Cranachs durch die ganze evangelische Christenheiteine so gültige Autorität erworben, daß jede Entfernung davon als eine Verletzung der Aehn-lichkeit gilt. Gewiß verdient Cranachs Bild diese Achtung; denn wenn wir auch in der Zeichnungdes Körpers, des Nackten zumal und der Perspektive, Cranach mangelhaft finden, so haben dochalle seine Köpfe solche Wahrheit im Ausdrucke, daß sie sich nicht verkennen lassen. Am wenig-sten können wir uns durch die Beschreibungen, die von Luthers Gestalt und Aussehen auf unsgekommen sind, so wenig sie oft mit dem Bilde Cranachs übereinstimmen, irren lassen. JeneBeschreibungen sind mehrentheils aus der Zeit, da Luther noch Mönch war, der durch Krank-heit und Seelcnangst sich so abgehärmt hatte,so hager von Sorgen und Studiren war, daßman fast die Knochen durch die Haut zählen konnte" **). Der Kardinal Cajetan meinte in Augs-bürg:diese kleinen tiefliegenden Augen werden uns noch viel Aergerniß machen!" In Worms sagte Kaiser Karl V. , da er Luthern in den Saal eintreten sah:der würde mich nicht bewe-gen, daß ich ein Ketzer würde!" In einer spateren Beschreibung wird von ihm gesagt;erhat ein klein, klar, tapfer Gesicht, er war von Gliedmaßen eine schöne Person" ***). In Cra-nachs Bild sind die Hauptzüge in dem vollen, gesunden, jedoch durchgearbeiteten Gesicht: eineheitere, freie Stirn, deren Trotz und denkende Anstrengung besonders durch einen Eindruck überdem rechten Auge an der Nasenwurzel bcmerklich wird; der zutrauliche Blick der Augen mildertdie Strenge der ernsten Augenbraunen; die etwas stark aufgeworfenen Lippen bezeichnen den Mann,der gerade heraus ohne zögernden Rückhalt sprach; das dunkle Haar, das mit vollem Wüchse den

*) Hiervon habe ich neuerding« noch Gelegenheit gehabt, mich in der, mit vieler Sorgfalt von HerrnKunsthändler Jacobt in Berlin angelegten Sammlung von Bildnisse» Luthers , die sich bereit« auf isoo@<f belauft, zu überzeugen.

**) Mosellanu« in Löscher« vollst. Reform. Akt. Ill, 247.

***) St. Alber wider die verfluch«« Lehre der Karlstädter. 1553- S. 04.

[ 13 ]