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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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96
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gehorsam der Mutter die Schleppe tragt. Der Mord auf der 5tcn Tafel scheint in einembösen Hause begangen zu werden, darauf deuten der Weinkrug, das Kartenspiel und die Würfel,die daneben auf dem Tisch liegen.Du solt nit stehlen," folgt als 6tcs Gebot, obwohl esbei Moses (II, v. 20) als das siebente Gebot steht. Die Anordnung dieser Bilder, so wie dieZeichnung, beweisen insbesondere, wie sehr Cranach damals noch Anfänger in der Kunst war.Die Perspektive ist ihm fast gänzlich unbekannt, mitten in die Hausmauer, deren unterschiedeneSteine genau bezeichnet sind, ist eine Oeffnung gemacht, ein halb zurückgezogener Vorhang laßtuns unmittelbar in das Bett sehen, in welchem der Hausherr schlaft, wahrend die Diebe amFenster und an der Thür sich zum Raub anschicken. Sehr verzeichnet sind die Füße des vorn-an stehenden Diebes, schwerlich dürfte er mit so gestalteten Deinen den Wachtern entkommen,wenn er flüchtig werden müßte. Gegen das anständige Zusammcnsitzcn im Grünen, unter schatti-gen Eichbaumen eines Kricgsmannes mit einer wohlgekleideten sogar reich geschmückten uni* be-kränzten Jungfrau, würden wir kein Arg haben, wenn wir nicht hinter dem, in diesen Tafelnimmer übel berüchtigten Kriegsmanne, einen Teufel sahen, der aus einer Mönchskutte sehr ver-dächtig herausschaut; im klebrigen belehrt uns auch die Unterschrift:du sollt nit unkeusch sein"und der gefüllte Vkchcr in ver opanv ves orriegsmanncs, vag vle «Scene nicht so gelassen bleiben

dürfte, als es jetzt den Anschein hat. Die achte Tafel und das Hauptbild haben wir bereitserwähnt. Die Verletzung der Perspektive ist am auffallendsten in dem Sten Bilde, wo die, indem entfernten Bette ruhende junge Frau, dem Kriegsmanne im Vordergründe die Hände reicht,als ob sie einander ganz nahe wären. Der Maler hat nicht wohl gethan, gleichsam zur Ent-schuldigung, neben die jugendlich - schöne Frau einen alten häßlichen Kahlkopf als Gemahl zulegen. Dcr Ehcecufcl ficht hinter vem Derre, diesmal in weiblicher Gestalt. Das zehnte

Gebot hat hier fast gleichen Inhalt mit dem fünften; doch scheint es hier nur bei dem Begeh-ren des fremden Gutes zu bleiben, denn der arme barfüßige Handwerker schaut nach dem Goldedcr reichen Wechsler, an deren Bank er sich kleine Münze eingewechselt hat, mit begehrlichemscheelen Blick; wenn er nicht vielleicht gar schon da zugegriffen hat, wo er nicht das Recht hatte. Als ein Symbol dcr göttlichen Gnade, die auch dem reuigen Sünder zu Theil werden kann,breitet sich ein Regenbogen über das ganze Bild aus, der auf eine sehr sinnige Weise mit derGnade, die dcr weltlichen Macht verliehen ist, geschehenes Unrecht ungeschehen zu machen, inVerbindung gebracht ist, indem der Regenbogen seinen Aufgang und Niedergang in den landes-herrlichen Wappen hat, welche in die Ecken der Tafel gestellt sind.

Wenn Cranach in diesem Bilde, welches er ungefähr in seinem 44sten Jahre malte, noch immersehr gegen die richtige Zeichnung verstößt, so bewährt er sich doch schon in diesem Bilde, welcheseines der ersten war, die er als Kurfürstlicher Hofmaler in Wittcnberg malte, daß er die Be-handlung dcr Farben auf das vollkommenste verstand, so daß sie sich in dem reinsten Glänze er-halten haben; nicht wenig hierzu trug die glückliche Wahl gut.getrockneter Tafeln von Linden-holj bei, die er gut zu grundiren verstand, und die von Würmerfraß und Rcstauratorhand bisauf den heutigen Tag verschont geblieben sind.

Außer diesem Bilde befinden sich in dieser Rathsstube noch eine Anzahl Bilder von Kurfür«