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mit dem Hirtensiabe, der ihm zur Führung und zum Schutz der Heerde anvertraut war, diesüßen Trauben und die jungen Triebe von den Reben herab, daß der Garten zur Wüste wird.Um so erfreulicheren Anblick gewahrt die andere Hälfte des Berges, wo unter Arbeit und Pflegeder treuen Knechte alles grünt und Früchte tragt. Voran steht Luther , den Rechen in derHand, um den Boden zu ebenen und zuzurichten, auf welchem die Andern pflanzen und bestellenmögen. Sagt er doch selbst: „ich muß die Klötze und Stämme ausrotten, Dornen und Heckenweghauen, die Pfützen ausfüllen und bin der grobe Waldrechter, der die Bahn brechen und zu-richten muß." Um ihn her sehen wir die wohlbekannten Gehülfen in geschäftiger Thätigkeit.Melanchthvn hat mit unermüdlicher Anstrengung aus dem tiefen Schacht des Brunnens dengefüllten Eimer zu Tage gefördert, und Johann Förster, der thätige Mitarbeiter an der Bi-belübersetzung, gießt den erquickenden Wasserschwall über das durstende Land. Paul Eber , zudessen Andenken seine Kinder *) dies Bild malen ließen, ist zunächst bei Luther beschäftigt, wildeZweige an einem Weinstock zu beschneiden. Justus Jonas führt mit fester Hand die Harke,um das Erdreich aufzulockern. Major bindet mit sorgsamer Pflege die Reben an, Ekelt trägteine Bütte mit Trauben. Bugenhagett und Cruzigek befestigen die schwankenden Rebenan feste Stützen; noch eine Menge thätiger Arbeiter sind in dem Weinberge mit Auflesen derSteine, Auflockern des Erdbodens, Binden und Schneiden der Reben beschäftigt; ihre Ramenwerden uns in alten Ueberlieferungen nicht alle genannt, doch sollten wir vermuthen, daß derKünstler in seinem Bilde den Erasmus, Sebastian Fröschl, Johann Arpinus und andere trefflicheMänner nicht vergessen hat **). Außerhalb des Weingartens, zur linken Seite, sieht man dieFamilie Paul Ebers, der Vater knieet Neben der Mutter, hinter ihnen stehen die vier Söhne mit3 Mädchen und, 6 Kuaben. Das Gemälde ist auf Holz gemalt, 3 Fuß hoch und 5 Fuß 4 Zollbreit; auf dem vergoldeten, mit Arabesken und geschnitzten Engeln versehenen Bilde findetman die Jahreszahl 1569. Unter dem Bilde befindet sich eine Erklärung desselben in folgendenReimen;
Wundern magst dich o Ieser milcft,
Was das sey für en seltzam ßildt.
So stehenn thutt ann diser stadt,
Und vlell geweldes inn sich hatt.
So wiss und mercke vleissigt drauff.
Was deutung hann die zwene hauff.
Der Berglt die christlich Kirch bedeult,
Darinn sinds böss uhd frumme Leuhtt.
*9 Dieß zeigt eine danebengebende lateinische Inschrilt ^wo ihm zwei Söhne und
ääääsk» »äl ssu. - *