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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Einfassung ist bei beiden Bildnissen dieselbe, wir haben deshalb nur eines in Rahmen [Tab. B.]die einzelnen Figuren beider Kurfürsten aber, um die es uns hier vornehmlich zu thun war, inbesonder» Abbildungen gegeben. [Tab. C. D.] Ueber das Technische dieser Arbeit ist folgendeszu bemerken; Das Ciseliren an diesen Denkmälern ist nicht gleich, einige Theile sind zaghaft be-handelt, andere verwegen, die starken Meiffclschlage sind hin und wieder noch zu sehen, die Feile(ultima lima) zur Verschmelzung der harten Uebergange, ist nicht bemerkbar. * Die Oberflacheistach dem Gusse ganz überarbeitet. Es laßt sich in der Ausführung auch nicht anders ver-fahren; wollte man einige Theile so lassen, wie der Guß sie giebt, so würde die Farbe von denüberarbeiteten Theilen zu sehr von den andern abweichen. Man hat bei Reinigung und Erneue-rung der Schloßkirche i. I. 1817 diese beiden Denkmäler mit einer dunkelgrünen Oelfarbe ange-strichen, welche den angenehmeren Mctallglauz verbirgt. Ebenso sind auch die metallenen In-schriften-Tafeln, deren Buchstaben ehedem vergoldet waren, jetzt schwarz angestrichen worden,wodurch sie den Anschein eines Eisengusses erhalten haben. Auf dem Fußgcstelle von Frie-drichs Denkmal lieft man:OpusPetri Fischer Norimbergensis Anno 1527. Auf dem Denk-mal Johanns steht oben im Kranze die Jahrzahl < -.34, unten aber am Fuße der Statue, dasZeichen 8, V. (Herpian Bischer). Die Engel mit den Schildern sind von roherer Arbeit,und Laß die Capitales, Frist und Arabesken sich auf beiden Denkmälern wiederholen, geschah, umModelle zu sparen. Wir aus der beigehcndey Zeichnung des Ganzen der gute Stil in derAnordnung hervorleuchtet, so sehen wir dadurch auch das, was Sandvart über P. Bischer sagt,bestätigt: wie .er es yamlich gewesen sti, der den guten Geschmack in Italien aufgesucht habe;den« das Wittenberger Denkmal ;<k den fla<-entin>s-r>en Grabmälern iencr Zeit gleich, sowohl im

Profilircn der architektonischen Glieder, als auch in bey Arabesken und sonstigen Verzierungen.Wie in Italien , so haben auch iu Deutschland die Bildhauer und Bildner in Erz früher alsdie Maler einen reineren Stil erlangt. Gleichzeitig mit Ghibcrti haben die Maler Italiens nochUnsicherheit in Behandlung des Nackenden und behandeln den Faltenwurf kleinlich, und unserAlbrecht Dürer , der doch gewiß die Arbeiten Peter Wischers und Adam Krafts sah, blieb den-noch im Faltenwürfe bei seiner beschrankten Weist- Neben den Bildnissen findet man auf beson-dern Mctalltafcln Inschriften, die ebenfalls das Geschick und den Fleiß der Nürnberger Arbeiterbeweisen, da sie jeden Buchstaben einzeln auf der platten Mctallplatte ausschnittcn, so daß dieSchrift erhabene Arbeit zu nennen ist. Der höhere Werth dieser Inschriften ist freilich der poe-tische Inhalt, de« ihnen Melanchchon gab, und deshalb dürfen sie hier nicht vergessen werden.