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auch der Künstler mit großem Sinn und glücklicher Wahl nicht eine einzelne That, sondern dieallgemeine That aus Luthers Leben dargestellt; diese nämlich, daß er das Wort Gottes, welchespäpstlicher Zwang an Ketten angeschlossen, dem Volke zum Trost und zur Belehrung wieder freigemacht hat. Mit freudigem Ernste schaut er herab auf die Menge und deutet auf die aufge-schlagene Bibel in seiner Hand, die durch seine Uebcrsetzung zuerst dem Volke offenbar wurde.;einer weitem Auslegung bedarf das Bild nicht, jedem ist es verständlich *).
Zur Erinnerung an einzelne bedeutende Lcbcnsumsiande werden die Fußgestclle der Bildsäulegewöhnlich mit Reliefs bekleidet; an die Stelle derselben sind hier passende Inschriften gestellt,von denen die an der Vorderseite;
Glaubet an das Evangelium,
an sein erstes Auftreten als Prediger des Wortes; die zweite links;
Zsts Gottes Werk, so wirds besiehn,
Zsts Menschen Werk, wirds untergchn,
an sein entscheidendes Bekenntniß, welches er in Worms ablegte; die dritte rechts;
Eine beste Burg ist unser Gott.
an ihn als deutschen Liederdichter und an die Fahrlichkeit jener Reise erinnern, auf welcher erdies Lied zuerst sang. — Auf der vierten Seite liest man den Namen des Königs, durch, dendas Denkmal errichtet wurde, und zugleich die Anmerkung der Verdienste des MansftldischenVereins um das Denkmal. Die Inschrift heißt:
„Von dem Mansftldischen Verein für Luthers Denkmal durch gesammelteBeiträge begründet, und durch König Friedrich Wilhelm III. errichtet."
Das Fußgeslctt verdient noch einer besondern Erwähnung. Es besteht, wie wir schon erwähn-ten, aus vaterländischem Granit, von dem Königl. Reg. und Baurath Triest dazu vom Ufer derOder bei Freyenwalde herbeigeschafft, der hier zum ersten Male in solchen Dimensionen und insolchen großen Geschieben erscheint. Die beiden dazu verwendeten Granitblöcke, deren größter20 Fuß lang, 10 Fuß breit und 8 Fuß dick waren, schätzte man 65oo Centncr schwer; bei derBearbeitung mußte viel abgenommen werden. Das Behauen der Stücke in Viereck, derTransport bis an die Oder und die Fahrt bis Berlin erforderte 6 Monate; das Ausarbeiten,Schleifen, Poliren beschäftigte 12 Monate hindurch 10 Steinmetzer und 30 Schleifer. Die Be-arbeitung ist mit dem Meise! geschehen und zum Schleifen und Poliren sind blos Handmaschinen
*) Zum Beweise, mit welcher Einsicht und künstlerischer Bescheidenheit Herr.Dir. Schadow verfuhr,erlauben wir un« aus einem Privalschreiben desselben hier folgende Stelle anzuführen:
Der Künstler, welcher diese Statue Luthers bildete, war durchaus von der Nothwendigkeit durch«drunge», daß hiebet gar nicht erfunden werden müsse, die vielen gemalten Abbildungen von D. Luthervon WUtenberg bis Weimar , und die sogenannte Messingiafel in Jena zeigte die unwandelbare An»ficht und Gleichheit des Benehmens der Künstler jener Zeit bei dieser Vorstellung; diese war ihmzur Autorität geworden, weshalb er jede Abweichung von dieser ursprünglichen Idee al« unpäßlichverwarf. So ist diese Figur des D. Luther hingestellt, mit der heiligen Schrift in der Linken, ge,bildet als Doeior der Tonesgelahriheit.