Unser Lucas wurde zu Cranach im Bisthum Bamberg i47o (nach andern 1472) geboren,sein Vatcrname war Sünder, er nannte sich nach seinem Geburtsorte Lucas Cranach *).
Der Meister, bei welchem Cranach in der Lehre gewesen, ist nicht bekannt. Die ersten Ar^beitm des jungen Künstlers, durch die er sich Ruf erwarb, waren ein Paar Hirschgeweihe undein Hirsch auf dem Schlosse der sächsischen Herzöge zu Coburg , die so natürlich waren, daß Jä-ger und Hunde damit getauscht wurden; ein freilich für die Kunst, die etwas Höheres leistensoll, als die blos tauschende Nachahmung der NatUr, sehr untergeordneter Ruhm. Durch dieseArbeiten war Cranach dem Kurfürsten Friedrich IH- und dessen Bruder, dem Herzog Johann,die Coburg oft besuchten, um daselbst zu jagen, bekannt worden; sie nahmen ihn schon 1491 mitsich nach ihren Meißnischen Schlössern, um dort ebenfalls die schönsten Stücke der Jagdbeutedurch seine Kunst verewigt zu sehen. Ein von dem Kurfürsten eigenhändig abgefangenes wildesSchwein war so gelungen, daß dieser das Bild seinem Großoheim, dem Kaiser Friedrich Hs„schenkte. Ob der Kurfürst unsern Cranach mit sich auf seiner Fahrt nach Jerusalem 1493 nahm,wird bezweifelt **). ■
Mehr als auf der Wanderschaft nach Jerusalem gewann Cranach für dir Kunst auf einerReife nach den Niederlanden , die er in dem Jahre 1009 nach dem Wunsche seiner Fürsten unter-nahm. Damals malte er in Mechcln Kaiser Carl V. in seinem 8. Jahre, woran sich dieser nochbei der Belagerung von Wittenberg , 1547, erinnerte. Der Meister, den er in den Niederlanden sich zum Vorbild wählte, scheint vornehmlich Lucas von Leydcn gewesen zu sein. Auf seinenReisen durch Deutschland , lernte er auch Albrecht Dürer kennen, und da von dem letzteren meh-rere Bilder in der Schloßkirche zu Wittenberg , bei ihrer Einweihung zur Kirche Aller Heiligen,15Q3, aufgehängt wurden, so dürfen wir glauben, daß beide Künstler in näherer Bekanntschaftmit einander lebten ***). Der Kurfürst ernannte ihn 1504 zu seinem Hofmaler, ließ ihm einenJahrgehalt anweisen, und erhob ihn sogar 1507 in den Ritterstand durch die Ertheilung einesWappenbricfts, aus welchem wir hier nur folgende Stelle mittheilenf): „Als haben wir angesehenunsers Dieners und lieben getreuen Lucas von Cranach , Erbarkcht, Kunst und Rcdlichkeht, auchdie angenehme und gefällige Dienste, so er uns oftmals williglich gethan, darzu, daß er Römi-scher Königlicher Majestät dem heiligen Reich von uns und unsern Erben, Fürstenthumen undLanden in künftigen Zeiten getrene und nützliche Dienste wol thun mag und soll, und darum inKrafft der obbcrührtcn unser Begnadigung und Freiheitten mit wohlbedachtem Muthe und gutem
*) Da er si* gewöhnlich „ Luka« Maler," unterschrieb, so hat sich daraus der Irrthum gebildet,daß sein Vakername „Müller" gewesen sei.
**) Spalann schweigt davon in seinem Leben Friedrichs HI. Müller dagegen sagt in seinen sa'chs. An,nalen: „Am 19. Mär» 1493 begab sich dieser Churfürst Friedrich der Weise aus sonderlicher Devotionzum heiligen Grabfund sind nebst dem berühmten Kunstreichen Maler Lucas Cranach , sonst Müllergenannt, um alles remarquables auf der Reise entwerfen und abmalen S» lassen, von ihm noch ge-nannte Personen mitgenommen worden.
***) Noch gewisser wird diese Vermuthung dadurch, daß wir von Cranach in dem Gebetbuche, welche«A. Dürer für den Herzog von Bayern zeichnete, acht buntfarbige Federzeichnungen vom Jahre'5>5 finden-, eine Arbeit, die er wahrscheinlich j» Nürnberg machte.
P) Heller 123 bis 124.