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Wittenbergs Denkmäler der Bildnerei, Baukunst und Malerei / herausgegeben von Johann Gottfried Schadow
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Schadow's als Direktor der Akademie mußte um so umfassender sein, da er nicht auf den engernKreis der Bildhauerkunst sich allein beschränkt hat, sondern gründliche Kenntniß der Malerei undKupferstccherkunst besitzt, und von allen unsern älteren und jüngeren Künstlern für den sicherstenund korrektesten Zeichner gehalten wird. Leider ist sein ältester Sohn erster Ehe, Rudolph,der die Kunst des Vaters erlernt hatte, in der Blüthe der Jahre verstorben. Sein zweiter Sohn,Wilhelm, Professor in Berlin , nimmt unter den Geschichtsmalcrn der neuen deutschen Schuleeine der ersten Stellen ein. Welch ein schöneres Zeugniß könnten wir dem Vater geben, als dieErinnerung daran, daß er der deutschen Kunst zwei solche Söhne erzogen hat!

Beilagen.

Minisierialschreiben an den Herrn Prediger Schnee.

Mit Bezug auf die Verfügung vom 2tcn Nov. vorigen Jahres wird dem Hrn. Prediger Schneeauf dessen Schreiben vom 24. Oct. d. I. hiermit bekannt gemacht, baß die Commission, welchebeauftragt war, sich über das Kunstdenkmal zur Ehre I). Luthers zu äußern, welches aus denBeiträgen errichtet werden soll, die durch den rühmlichen Eifer der Mannsfeldschen Literaturgc-fellschaft gesammlet worden sind, dahin ihr Gutachten abgegeben hat, daß dazu eine kolossalebronzene Statue des großen Reformators gegossen, und solche vorzüglich zweckmäßig in Witten -berg aufgestellt werden mvgte. Das Ministerium des Innern hielt sich verpflichtet, das Ganzedes Königs Majestät zur Allerhöchsten Entscheidung vorzulegen, und besonders auch in Ansehungdes Orts, wo die Statue aufgerichtet werden soll, der gedachten Commission beizustimmen, weilkein anderer Ort zur Aufstellung des Bildes des großen Mannes, welches ihn in seiner ganzenWirksamkeit darstellen soll, schicklicher scheint, als gerade Wittenberg , diese Stadt, wo der Geistevangelischer Freiheit sich früh am stärksten hervorthat, wo die Asche Luthers ruht, und wo dasvon Sr. Majestät dem König gestiftete Seminarium für evangelische Theologen sein Andenkenso kräftig belebt. Sr. Majestät haben nicht allein den Vorschlag genehmigt, sondern auch zu bc-stimmen geruht, daß am 3i. Oct. d. I. der Grundstein zu diesem Denkmal gelegt werden sollte.Dieser letzte Umstand verhinderte eine frühere Communication mit der achtungswürdigen Mano-feldschcn Literaturgcscllschast. Indem das unterzeichnete Ministerium dem Herrn Prediger Schneedieses bekannt mache, wird derselbe beauftragt, die achtungswerthe Mansfeldsche Literaturgesell'schüft hievon zu unterrichten, die mit dtm religiösen und patriotischen Sinn, womit sie so rühm-