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Buchstaben ringegraben r V. M. L- M. D. XXIII1. (d. i. V. Martin Luther 1524). Oberhalbist der Krug eingebrochen; das eingebrochene Stück paßt aber noch, bis auf eine kleine beschä-digte Stelle, vollkommen ins Ganze.
Die Masse, aus welcher der Krug besteht, ist gebranntes, feineres, deutsches Steingut, eineeigne leichter verglasende weißliche Thonerde, dir man hanfig, besonders im südlichen Deutschlande, in Franken, am Rhein und andern Gegenden, zu ähnlichen Trinkgefaßen, auch zum Aufbewah-ren und Verschicken der Mineralwasser, mehr oder weniger gereinigt unb daher von mehr wcißcroder gelblicher oder grauer Farbe, zu benutzen pflegt.
Der ganze konisch geformte Rumpf ist bis auf einen hinten befindliche, nämlich da, wo derHenket.angebracht ist, flachen und leeren Streif ganz mit erhobenem Bildwerk verziert. DieHauptvorstellungen bestehen oben in drei zirkelrunden Feldern, jedes 2§ Zoll tut Durchmesser,worauf die gleiche Vorstellung enthalten ist: Christus am Oe-lberge betend und drei schlafendeJünger im. Vorgrunde. Unten zeigen sich drei größere, runde Felder, jedes 3 Zoll im Durch-messer, darstellend; Christus der mit seinen Jüngern das Osterlamm ißt.
Der Zwischenraum ist über jedem dieser Felder miß Arabesken verziert, bestehend in einemFruchtkorbe, welcher auf oem Rvpse von einer Ntzcuocu grorevkrn Figur mitZiegcnfüßcn getragen, oderihr vielmehr von zwei Satyrn, die daneben stehen, über dem Kopfe gehalten wird. SprossendesLaubwerb mit darin sich verschlingenden grotesken Figuren machen die Zwischcnfüllungcn aus.Geflügelte Engelsköpfe erfüllen oben und unten die Zwischenraume zwischen den runden Feldern.
Das Gefäß war noch als weicher Thon fabrikmäßig in eine nicht mehr sehr scharfe FormLedrückt mtd dann gebrannt und farbenlos glasurt worden.
Der Stil des Bildwerks in vcn runden Feldern ist schlecht und roh, besser derselbe in derZeichnung der Figuren, und mit leichten Schwingungen in den Formen des Laubwerks das Bild-werk in den Arabesken.
Gemalt ist nichts an diesem Trink-Kruge. Dadurch berichtigt sich die zwar kurze, aber inwesentlichen Dingen dennoch sehr mangelhafte und unrichtige Beschreibung dieses Kruges in demAufsätze darüber in dem Wochenblatte für Prediger und Schullehrer der Preuß.Monarchie. Erfurt , Sonnabend. Xr. 15. 13. April, 1822, wo gesagt wird, „daß derKrug grün angestrichen, mit mancherlei schwarzen, dem Geiste Luthers sehr entsprechendenFiguren bemalt sei." —
Schwerlich hat Luther den Krug für sich besonders, etwa nach eigener Erfindung und An-gabe, anfertigen lassen; sondern ihn vielmehr gekauft, wie er sich ihm gerade darbot. Denn ganzähnliche Krüge haben sich auch außerdem, gefunden und werden vielleicht noch mit denselben ur-alten Zierrathen verfertigt und feil geboten.
Wir geben übrigens aus dem angeführten Wochenblatte über diesen Krug noch folgendeNachricht.
Er war, man weiß nicht mehr wie? in den Besitz des ehemaligen Generalsuperintcndentenv. Löscher in Dresden gekommen, welcher ihn mo seinem Schwiegersöhne, dem Königl. Groß-brittan.Rath und Professor an der Ritter-Akademie zu Lüneburg , Ioh. Friedr. Jugeler, vcr-