Buch 
3 (1851) Griechische Vasengemälde / erklärt von F. G. Welcker
Entstehung
Seite
28
JPEG-Download
 

28 Athene bei dem Streite der Atriden

gen sie die Atriden berathen? So gehört also auch dieseErklärung zu den unzähligen noch nicht berichtigten derschätzbarsten Monumente wobei man entweder kläglichenMangel an Erfahrung, Urtheil und Grundsätzen oder eineLeichtigkeit bedauern muss der es eigentlich auf richtig oderunwahr wenig ankommt, wenn nur etwas gesagt wird undman nicht geradezu gestehn muss dass die Bedeutung nichtbekannt sey.

Zur Vergleichung bietet sich dar das bekannte Samo-thrakische Relief, welches leicht sogar denselben Gegen-stand dargestellt haben könnte. Erhallen ist nur Agamem-non, sitzend auf einem Stuhle, stehend hinter ihm Talthy-bios, der hier das Kerykeion hält und also ohne den dane-ben geschriebenen Namen leicht für Hermes hätte genom-men werden können, und ausserdem Epeios, als ein Dienen-der. Ohne Zweifel war auch hier gegenüber Menelaos ,ebenfalls mit zwei begleitenden Figuren. So sehr hatte sichdie Anordnung die beiden Atriden gegeneinanderübersitzendzu bilden eingeprägt dass sie noch an dem CapitolinischenSarkophage mit dem Streite des Achilles wegen der Briseiswiederholt ist. Als ein Bruchstück von dieser Vorstellungnahm Millingen das alte Relief das in Costüm und in Stylso grosse Ähnlichkeit mit unserm Vasengemälde hat

Dieses Gemälde ist um so mehr auszuzeichnen als un-ter den Bildwerken, sowohl den aus der Litteratur bekann-ten als den aufgefundenen sich keine finden welche den In-halt der Nosten angehn, mit Ausnahme des Falls und derRache des Agamemnon und des Untergangs des LokrischenAjas. Der Letztere war von Apollodor gemalt und kommtin einem Gemälde bei Philostratos vor (2, 13); auch ist Ajasauf dem Gyräischen Felsen vielleicht gemeint auf einer Sto-schischen Paste (Winckelm. Mon. ined. 142, Visc. Espos. digemme ant. n. 388), obgleich andre darüber anders denken.Alle diese Gegenstände aber sind schon in der Odyssee be-rührt. Der ganze Bestandtheil der Nosten, welcher zu die-sem alten Stoffe, nach Verhältnissen und Umständen ganz