256 Von der Kirche del Gieſu Grande in Rom.
Durchmeſſer allzu groß iſt, findet dieſe Regel nicht mehr ſtatt. Denn wenn umExempel die Ordnung an der Kuppel zu St. Peter in Rom, gegen deren Durch-meſſer eben die Proportion haben ſolte, als die an der Kuppel du Val de Gracein Pariß gegen ihren, ſo muͤſte die Ordnung zu St. Peter an ſtatt der 7. Klaffter2. Fuß, welche ſie jetzo haͤlt, 13. Klaffter hoch ſeyn, welches die Helffte von demDurchmeſſer der Kuppel waͤre, welcher 25. Klaffter haͤlt. Denn die Ordnungau Val de Grace halt an der Hoͤhe 3 1. Fuß, welches nahe kommet der Helfftedes Durchmeſſers von 10. Klaffter 3. Fuß. Aber ſo wuͤrde die Kuppel zu dr.Peter von Groͤſſe und Schwere ſeyn, daß ſie nicht wuͤrde beſtehen koͤnnen.
Wenn die ſchoͤne Verzierung eine Kuppel ſchoͤn machet, thut ſolches dieGroͤſſe des innern Durchmeſſers nicht weniger. Eine der groͤſten und der erſten,die jemahlen gemacht worden, iſt die bey Sr. Sophia zu Conſtantinopel, welche18. Klaffter in Lichten weit iſt. Die Kuppeln St. Marco in Venedig, St. Anto-nio zu Padua, und die zu Piſa und Mayland ſind auch groß genug, aber von garſchlechter Proportion. Sie ſind fehr ſchlecht beleuchtet, und ihre Verzierungkommet gantz Gothiſch heraus. Ob ſchon Mich. Angelo die Kuppeln nicht er-funden, welche dadurch verwunderſam werden, weil ſie auf den 4. Boͤgen desKreutzes einer Kirchen liegen, welche alle durch Anſtoſſung in einen runden Thurn,vier ſchwebende Strebe⸗-Boͤgen, pendentifs, zwiſchen ſich machen; hat er docham erſten gewuſt, wie man ſie zierlich bereiten ſoll, welches an St. Peter erſcheinet,welche Kuppel nicht allein alle andere, ſo jemals gemachet worden, an Grooͤſſeübertrifft, indem ſie innen am Durchmeſſer 222 Klaffter weit iſt, ſondern auchan der Menge der Bau⸗Zierathen, an der Annehmlichkeit der Figur und desUmriſſes, und an der Schoͤnheit ihrer Laterne. Man kan daraus von der Vor-trefflichkeit des Verſtandes und der Gedancken eines groſſen Mannes urtheilen,als Mich. Angelo geweſen, nachdem Giacomo Della Porta lange Zeit nach ſei—nem Tode dieſe Kuppel aus ſeinem Modell, als Sixtus V. Pabſt ware, zuwege
gebracht.
Obſchon
A. Durchſchnitt der Vorwand. K. Das Gebaͤlcke uͤber den Strebe-B. Capellen. Boͤgen.C. Altar des Heil. Xavierii. L. Wendel⸗Treppe.D. Empor⸗Kirchen mit Gitter⸗ N. Laterne. 1
Stuͤhlen. N. Groſſes Tonnen⸗Gewoͤlbe uͤberE. Die Haube des Chors. dem Schiff.F. Groſſe Kirch⸗Fenſter. O. Strebe⸗Bogen.G. Das Geſpaͤrre. P. Haube der Kuppel, ſind alle vonH. Glocken⸗Thurm. Joh. Bactiſta Gauli gemahlet.
J. Die Wand der Kuppel.
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